Woran erkennt man, dass ein Gewitter ernst macht?

  • Gestern ist hier in Lübeck ein kurzes aber heftiges Gewitter durchgezogen. Ich war am Vormittag noch segeln, für den Nachmittag waren Schauer angesagt. Windfinder und YR sagten gemäßigte Winde voraus.


    Ich vermute, dass die Böen um die drei Minuten angedauert haben und es mit um die 50 Knoten geblasen hat. Vorher war es eine Weile völlig windstill, nur Blitze und Donner. Dann plötzlich Hagel und heftiger Wind.


    Ich kann vorher oft nicht erkennen, ob ein Gewitter so einen Wind bringt oder nicht. Habe schon einige Male Segel gerefft oder geborgen und dann kam fast nix. Und umgekehrt.


    Was sind die Anzeichen für Sturmböen? Und warum macht das eine Gewitter Wind und das andere nicht?

  • Genau so. Segel runter, alles dicht machen, Motor an und dann sehen was passiert. Mit Glück gar nichts, sonst hast du ein ordentliches Schauspiel - mit allen Segeln oben wird es nicht lustig.

    -----------------------------------------------------
    Autokorrektur ist grässlich!
    -----------------------------------------------------



  • Woran erkennt man, dass ein Gewitter ernst macht?


    Das war die Frage! und nicht was soll ich machen.


    Und zur Frage : gar nicht . Denn sowas wie Beschrieben ist extrem da kann man vorher nichts erkennen.


    Gruß Klaus

    Ab Windstärke zwölf gibt es keinen Atheisten mehr.( Helmut Gollwitzer)

  • Plötzliche und völlige Windstille vor der Front ist der allerletzte Augenblick die Segel noch schnell zu bergen.


    In Küstennähe und bei Mobilfunkempfang zeigt Dir das Regenradar ziemlich zuverlässig an, wann und wo es besonders dicke (lila Farbton, Gewitter) kommen wird.

    Gruß Torsten


    kis
    keep it simple

  • Moin Lars,

    Ich war gestern genau in dem Gewitter auf der Trave Höhe Schlutup.

    Ich konnte absolut nichts sehen, konnte also auch nicht Richtung Ufer. Sonst hätte ich vermutlich den Anker fallen lassen.

    Meine Windanzeige hat kurzfristig fast 40kn angezeigt. Was schlimm war war der Hagel.

    Wenn du am Ruder stehen musst und das Eis knallt auf deinen Körper... Nicht schön. Wenn die Hagelkörner größer gewesen wären hätte ich das Boot vermutlich absichtlich auf Grund gesetzt.

    Die Böen haben mich auf die Seite gelegt wie selten zuvor, und das nur unter Top und Takel.

    Allerdings konnte man es schon gute zehn zwanzig Minuten vorher sehen: da KOMMT WAS.

    Ich habe Verschluss hergestellt und noch eine Mütze aufgesetzt, alles an Licht angeschaltet was geht und gehofft...

    Wie gesagt, grenzwertig, ich war blind. Hab mich nur grob am Plotter orientiert, ging nicht gut da so extrem viel Wasser herunter kam und die Anzeige fast nicht erkennbar war...


    Gruß Tom

  • Normalerweise ist plötzlich der Wind weg und bläst kurz darauf wesentlich stärker aus einer ganz anderen Richtung. Zusammen mit den jeweiligen Wolkenbildern (also Cumulunimbus - mächtige, hohe, teilweise dunkle Gewitterwolken) kannst du daraus den Schluss ziehen, dass es gleich mächtig abgeht. Hatte das einmal am Englischen Kanal am Weg von den Niederlanden nach England. Mitten in der Nacht plötzlich der Wind weg, gerade noch rechtzeitig die Genua eingerollt und das Groß geborgen. Kurz darauf 9 bft mit Schüttregen und vereinzelt Blitzen.

    Auch Stunden vorher kannst du am Fallen des Barometer (ca. ab 2hPa / Stunde) erkennen, dass sich etwas nähert.

    Lg

  • Normalerweise ist plötzlich der Wind weg und bläst kurz darauf wesentlich stärker aus einer ganz anderen Richtung. Zusammen mit den jeweiligen Wolkenbildern (also Cumulunimbus - mächtige, hohe, teilweise dunkle Gewitterwolken) kannst du daraus den Schluss ziehen, dass es gleich mächtig abgeht. Hatte das einmal am Englischen Kanal am Weg von den Niederlanden nach England. Mitten in der Nacht plötzlich der Wind weg, gerade noch rechtzeitig die Genua eingerollt und das Groß geborgen. Kurz darauf 9 bft mit Schüttregen und vereinzelt Blitzen.

    Auch Stunden vorher kannst du am Fallen des Barometer (ca. ab 2hPa / Stunde) erkennen, dass sich etwas nähert.

    Lg

    Ja, steht im jeden Lehrbuch.


    Es geht hier um Lokale Wetter Ereignisse.


    Gruß Klaus

    Ab Windstärke zwölf gibt es keinen Atheisten mehr.( Helmut Gollwitzer)

  • Nun ja, wenn so etwas langsam von hinten aufholt, sollte der geneigte Skipper doch durchaus geeignete Maßnahmen zur Tuchreduktion ergreifen. Wenn der aufgeregte Regen durchgezogen ist, kann man sich dann für das eigene Wohlbefinden etwas frottieren.


    IMG_20170819_203708.jpg


    Bei solchen, walzenartigen Wolken steckt meistens ordentlich Musik drin. Vor allem, wenn diese Walzen rotieren. Wenn es vor dem Gewitter relativ windstill auf dem Wasser ist, kann man die Böen eigentlich auch gut auf der Wasseroberfläche kommen sehen.

    Dietmar



    -failure is always an option-

  • Gestern ist hier in Lübeck ein kurzes aber heftiges Gewitter durchgezogen. Ich war am Vormittag noch segeln, für den Nachmittag waren Schauer angesagt. Windfinder und YR sagten gemäßigte Winde voraus.



    Die Schauerböen und Gewitter kamen damit mitnichten überraschend sondern waren bereits am frühen Morgen Teil des Sewetterberichts. Ja ich weiss das ist old fashined und muss man nicht mehr lesen.

  • Die Schauerböen und Gewitter kamen damit mitnichten überraschend sondern waren bereits am frühen Morgen Teil des Sewetterberichts. Ja ich weiss das ist old fashined und muss man nicht mehr lesen.

    Nur dass der Seewetterbericht fast täglich von Schauerböen und Gewitter spricht und meistens gar nichts passiert.

  • Schauerböen sind auch nicht gleich Schauerböen.


    Windfinder und auch YR hatten in Ihren Prognosen keine Ausreißer nach oben, also über 20 Knoten, geschweige denn 40 oder 50 Knoten, die es gestern hatte.


    Ich habe es den Wolken gestern nicht angesehen, dass da so viel Wind drin steckte. War allerdings auch nicht auf dem Wasser und hatte keinen Weitblick.


    Einmal wurde ich vor Travemünde von einer heftigen Schauerböe überrascht, bzw wurde ich davon überrascht, wie am Strand plötzlich der Sand hochgewirbelt wurde. Da war dann noch etwas Zeit.


    Auf der Trave fehlt beim segeln dieser Weitblick

  • Es gibt Anhaltspunkte, die sich zu häufig wiederholen, als dass man sie als Zufall abtun sollte. Deswegen der typische* Ablauf eines herannahenden Gewitters.

    1. Der Wind weht zum Gewitter hin. Das Gewitter kann sich dabei nähern, aber solange er zum Gewitter hinweht, ist mehr als Standby nicht nötig. Je wärmer der Wind ist, umso mehr baut es sich auf. Einzelne Gewitterzellen ändern gern mal ihre Geschwindigkeit und ihre Richtung. Vor allem, wenn sie von See aufs Land ziehen oder umgekehrt.
    2. Der Wind schläft ein. Ab dem Punkt sollte man vorsichtig sein. Es kann sein, dass Du von einer einzelnen Zelle nichts abkriegst, aber echte Flaute ist die Ruhe vor dem Sturm. Du bist längst im Einflussbereich des Gewitters. Fällt zusätzlich das Barometer und es kühlt jetzt schon ab, dann ...
    3. Der Wind weht aus Richtung Gewitter. Er ist oft etwas kühler, kann auch richtig kalt werden. Er weht ganz zu Beginn meist noch nicht stark. Es kann dabei so scheinen, als zöge das Gewitter knapp vorbei. Sich darauf zu verlassen ist nicht gut.
    4. Wenn der Wind jetzt auffrischt, wird er in sehr vielen Fällen noch ordentlich zulegen. Das kann sich in ein paar Minuten abspielen, kann bei einem mediterranen Sommergewitter aber auch sehr schnell gehen. Ein echtes Sommergewitter mit Schwärzegrad 9 von 10 ab dem Punkt mit blanken Spieren zu erwarten, ist wohl nicht übertrieben. Killende Segel sind schlecht. Du hast immer das Risiko, dass es Dir in Fetzen davonfliegt oder an dem Tag um 5 Jahre altert.

    Sturmsegel aufziehen lohnt bei einer Gewitterfront, die auf Land zieht, weil die Stunden brauchen kann, bis sie durchgezogen ist. Sind wir dann mitten drin, haben wir den Einflussbereich der Frage verlassen 😇






    * typisch = kann teils etwas abweichen, einzelne Phasen können unterschiedlich ausgeprägt sein.

  • Alles sehr kompliziert - wenn man solche Wolken sieht, dann weiß man, was auf einen zukommt. Mit etwas Glück sieht man es auch in naher Entfernung als peitschender Regen und schafft es noch, sich darauf vorzubereiten. Oft sieht man aber nichts, weil es zuvor schon bedeckt war oder gar dunkel. Dann hilft es, ein Schiff zu haben, welches man einfach und sicher reffen kann.


    Persönlich fahre ich inzwischen bis zu den ersten Böen und reffe dann entsprechend. Das Bild wurde während Rund-Bornholm 2014 aufgenommen - das Gewitter zog sich über Stunden hin und wir hatten alles - von totaler Flaute bis 45kn und haben nichts außer den Blitzen gesehen, weil inzwischen stockfinstere Nacht. Am Ende haben wir den ORC-C-Klassensieg um 8 Minuten verpasst und sind Zweite geworden.

  • Wenn du Regatta fährst, ist das sicher absolut richtig.


    Als Fahrtensegler mit Frau und Familie gehe ich lieber auf Nummer Sicher - also die Segel rechtzeitig runter. Wenn es nur einmal schief geht, segele ich sonst in Zukunft alleine 😉

    -----------------------------------------------------
    Autokorrektur ist grässlich!
    -----------------------------------------------------

  • Wenn du Regatta fährst, ist das sicher absolut richtig.


    Als Fahrtensegler mit Frau und Familie gehe ich lieber auf Nummer Sicher - also die Segel rechtzeitig runter. Wenn es nur einmal schief geht, segele ich sonst in Zukunft alleine 😉

    Ich würde da anders ran gehen - Wenn das Schiff es zulässt, dann sollte man sich da langsam ran tasten. Kaum jemand fährt bei 45kn raus aber die Wahrscheinlichkeit, dass es einen mal erwischt ist recht hoch. Da präventiv über Stunden unterpowert zu segeln zermürbt auch - insbesondere bei Seegang. Dann besser sich langsam an die Grenzen ran tasten. Meine Frau ist alles andere als seefest aber bei souveränem Umgang mit den Bedingungen darf das Schiff auch mal stärker krängen, während gerefft wird.


    Wenn das Schiff es nicht zulässt ( weil Rollsegel ) oder ... dann muss man natürlich präventiv reffen.

  • das musste mal gesagt werden, passend in diesem Trööt

    es ging mir darum zu schreiben, wo es passiert ist - auf einer Strecke, wo es kein Ausweichen gab und auch keinen Landschutz. Auch Motor an, Beiliegen etc. war keine Lösung. Nachdem das Ding endlich durch war, waren wir ( zu zweit ) auch durch und brauchten 1..2h bis wir uns den eigentlich angesagten Spi wieder getraut haben.


    Aber dem TO ging es ja um die Frage, wie man das erkennt - die Wolke war eindeutig. Aber ich habe es auch schon anders erlebt - auf dem Ammersee fast aus dem Nichts und manchmal mitten in der Nacht.