Seltsame Fahrzeuge in Glücksburg gesichtet

  • Wir sind am Wochenende wie üblich in Glücksburg Regatta gesegelt.

    Im Hafen war auch eine Gruppe kleiner Proas vertreten, die sich dort vermutlich einfach nur getroffen haben.


    Leider war das Wochenende ja von Leichtwind und Flauten geprägt. Ich hätte die ganz gerne mal bei frischem Wind segeln sehen.

    Immerhin lassen sich die Boote offenbar leicht paddeln.


    Ich finde die eine echte Herausforderung für Sehgewohnheiten und mag irgendwie diese Bereicherung der Vielfalt. Es scheint mir aber auch etwas für ausgeprägte Individualisten zu sein.


    Hat hier jemand Erfahrung mit solchen Booten?

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    Holger

  • Über den gelben könnte es mal eine Reportage gegeben haben…? Irgendwie hab ich da ein studentisches Recyclingprojekt im Kopf, hinter dem eine Gruppe von Menschen sitzt, die auch auf irgendeinem untergehenden Inselstaat hilft, Boote aus “Müll” zu bauen, weil es dort keine Bäume mehr gibt. Die hatten so ein gelbes Ding mit Kohlefasermast und standen damit für eine gute Sache.

  • Du meinst evtl. Rob Denney mit dem Marshall Island Projekt?!

    Auf der gelben in Glücksburg stand "Proas.is".

    Das scheint tatsächlich das Projekt zu sein.


    Holger

    Das sind sie, ohne lange auf der Homepage zu sein. Da gab es mal eine Reportage, eventuell vom NDR?

  • Das gelbe Ding haben wir drüben beim FSC auch etwas bestaunt. Es lagen ja auch Regattaraketen am Kopfsteg. Ob man denn im Hafen schwimmen oder Suppen muß? Die Optis hätten alle gebügelt, nochmal Glück gehabt. :sarcastic_hand:

    bG, spliss

    Holt groß das Dicht ! dillen statt chillen !

  • Mari, stimmt, die Fjordproa war auch dort.

    Sieht auf Youtube nach fröhlich-feuchtem Segelspass aus.


    Was ich mich jetzt aber schon frage:

    Können die Dinger irgendetwas besser als sagen wir mal ein alter Hobiecat?

    Weiss das hier jemand?


    Nicht das ich das zwingend nötig finde - ich mag auch ziel- und zwecklose Liebhaberei. :beaming_face_with_smiling_eyes:


    Holger

  • Vermutlich deutlich leichter als ein Hobie.

    Von nix kütt nix.

  • Das kann gut sein - vor allem wahrscheinlich, weil die Ansprüche an die strukturelle Festigkeit nicht so hoch sind.

    Vermute ich jetzt mal.


    Ausserdem kann man die Dinger offenbar auch leicht paddeln.


    Holger

  • Hi, ich kürze die Recherchearbeit mal ein bisschen ab :grinning_squinting_face:


    Bei "dem gelben Teil" handelt es sich um Proasis, eine 9m Proa die als Prototyp für besegelte Fischerei- und Transportfahrzeuge für den Pazifikraum, inspesondere die Marshall Islands entstanden ist. Mittlerweile wurden nach diesem Vorbild schon 10 Stück gebaut. Mit Rob Denney haben wir nicht wirklich was zu tun. Es gibt eine menge Infos auf unserer website http://www.proas.is. Die schon erwähnte Doku vom NDR findet ihr hier. Auf unserem Youtube Kanal gibt es noch viel mehr videos, auch mit mehr Wind. Topspeed ist aktuell 13.7 kn.


    Wir hatten uns mit ein par anderen Proa-Interessierten auf Einladung von Lars aka. Fjordproa beim DHH für ein Wochenende zum gemeinsamen Segeln getroffen. Wir haben die Gelegenheit für einen schönen Törn nach Flense genutzt (liegen in Kiel).


    Bei Fragen gerne melden. Oder nächste Saison mal mitsegeln!

  • Moin,

    Ihr liegt ja bei den Schwentinauten, ich sehe eure Prorais immer wenn ich zum Boot fahre. Ich klopf mal an wenn Ihr da seit, ich würde gerne mal eine Runde mit euch drehen.

    VG

  • Moin,

    Ihr liegt ja bei den Schwentinauten, ich sehe eure Prorais immer wenn ich zum Boot fahre. Ich klopf mal an wenn Ihr da seit, ich würde gerne mal eine Runde mit euch drehen.

    VG

    Jaa, komm nächstes Jahr gerne mal mit!

  • Können die Dinger irgendetwas besser als sagen wir mal ein alter Hobiecat?

    Die sind sich zu unähnlich. Schneller als ein, von einer schweren Mannschaft bei viel Wind gut gesegelter 16er? Kaum. Dafür etwas bequemer. Paasend zum Vergleich mit einem 16er hast Du dort keine Wende und keine Halse. Das ist durchaus ein Vorteil.

    Wie es mit dem Aufrichten aussieht? Würde mich selbst interessieren. Hast Du, Proasis das mal probiert?


    Wer auf Internet- oder Youtube-Beweise lauert, könnte etwas zu der ersten modernen Fahrtenproa von Russel Brown finden, die den klangvollen Namen "Izerro" trug. Weder Rennsemmel noch das tyousche "Fahrtenschiff", aber gerade auf langen Schlägen flott und wohl auch problemlos unterwegs.


    Wenn Du gleich einen Bausatz kaufen willst, schau nach der 'Madness'. Daran war ich mal interessiert, habe es dann aber doch eine Nummer einfacher gewählt. Die Komplexität dieser Boote ist - sagen wir faszinierend.


    Wenn Du gern in die Vollen gehst, die 'Harry Proa', oder zumindest eine von ihnen. Harry löst das Kenterproblem anders herum, was wohl auch soweit funktioniert. Problematisch ist immer, bei allen, urplötzlich Wind auf die konstruktiv bedingte Dauer-Leeseite zu kriegen. Optisch sprechen sie den Segler mit Tabak-Pfeife und Prinz-Heinrich-Mütze nicht so an. Technisch gesehen für jemand der alles andere schon zu genüge gehabt hat, etwas sicherlich Neues.

  • Mit proasis sind wir bereits mit ber 13 kn gesegelt. Ich ziehe den Vergleich da aber eher zu einer kleinen Fahrtenyacht und nicht zu einem Hobie 16. Ich habe proasis als Prototyp für Fahrzeuge zum Fischen und zum Transport entworfen, also extrem low-tec (fast kein metall und so gut wie keine Beschläge, von ein paar rollen mal abgesehen), daher kein Rennsemmel. Im praktischen Betrieb begrenzen wir die Geschwindigkeit meist auf 10kn da es zum Fahrtensegeln sonst unentspannt wird. Ein Viedeo mit ausführlicher Beschreibung des Handlings findet ihr hier.


    Mit einem 16er würde ich eher die kleineren 18ft Kanus vergleichen. Auf den Marshallinseln ist das eine beliebte Rennklasse, videos haben wir hierund hier. Die schaffen locker 15kn (selbst gemessen), da muss man sich mit einem 16er schon sehr anstrengen. Auch hier ist aber wieder zu beachten das die Boote mit einfachsten Mitteln gebaut werden, das Segel wird zum Beispiel aus einer Plane hergestellt. Baukosten vor Ort etwa 500 USD.

    In dieser Größenordnung waren die kleineren boote bei dem Flensburg treffen etwa. Ganz so schnell wie die Originale segeln die aber glaube ich nicht. Hier gibt es übrigens ein Video von dem Event in Flense und Bilder:

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    Wind von der falschen Seite macht uns (proasis) übrigens nix. Bei einigen Designs kann aber durchaus das Rig von Oben kommen. Wind von der falschen Seite passiert, vorausgesetzt das Boot ist kein Murks und die Besatzung weis was sie tut, aber eigentlich extrem selten und wird meiner Meinung nach vollkommen überdramatisiert. In den letzten 3 Jahren ist es bei uns genau 2 mal vorgekommen, ein mal weil wir zum ausprobieren mal eine Patenthalse gefahren sind und einmal weil der wind bei Flaute 180° gedreht hat.


    Die kleineren Boote lassen sich ohne probleme alleine kentern und wieder aufrichten. Fjordproa hat sogar ein Rigg dass das Durchkentern verhindert. Proasis ist so entworfen, dass immer beide Rümpfe im Wasser bleiben, was bisher auch immer passiert ist. Kentern ist theoretisch möglich, praktisch aber nicht wahrscheinlicher als bei gemäßigten Fahrtenkats.


    Jemanden der technikverliebt ist spricht Proasis glaube ich nicht besonders an, da wir kaum Technik an Bord haben :grinning_squinting_face: Aber vielleicht ist technischer Minimalismus ja auch mal ganz reizvoll.

  • Was mich interessieren würde:

    Wie ist denn die Zuladung bei so einer Proa wenn die für den Gütertransport genutzt wird?


    Macht das für Sicherheit und Leistung nicht so viel aus mit dem Mehrgewicht?


    Holger