BSU Bericht Unfälle Sportboote Selbststeueranlagen

  • Na ja, wenn man nicht alles abschalten will? Warum nicht.

    Man muß gar nichts abschalten, sondern nur den Standby-Knopf am AP-Bedienpanel drücken, dann ist das Ruder frei beweglich. Hier haben ja einige über ungewollte Kursänderungen durch den AP berichtet. Es war aber nie die Rede davon, daß man den AP nicht mittels Standby stilllegen konnte. Das stand nur in dem BSU-Bericht (=> "Einfrieren" der AP Software), ist also ein absoluter Ausnahmefall, wenn es denn überhaupt so war. In so einem äußerst seltenen Notfall kann man sich durch kurzzeitiges Stillegen der Stromversorgung behelfen um einen Unfall zu vermeiden. Bei einer korrekten Installation wird dann auch der Plotter sowie AIS heruntergefahren, sonst nichts.

  • Ja, das Panel ist aber in der Regel unter Deck (bei mir auch), da ist der Weg schon recht weit.


    Gruß Odysseus

    Dann brauchst Du natürlich einen Notschalter, keine Frage, ist alternativlos.

    Aber ernsthaft: In so einem Fall Maschine volle Kraft rückwärts um eine Kollision wie in dem BSU-Bericht zu verhindern. Dann ist auch Zeit für ein AUS/EIN am Panel, das klappt auch einhand.

  • Total richtig! Mir ist auch schon das Handy im Auto in den Fußraum gerutscht. Da komme ichbdoch im Traum nicht auf den Gedanken, dass ich das jetzt während der Fahrt aufheben muss. Und auch nicht auf dem Boot im Hamburger Hafen.

    Gruß, Klaus

  • Moinsen, nachdem meine Frage noch nicht beantwortet ist (ich habe einen Pipi und kenne AP auf radgesteuerten Yachten nur vom Mitsegeln), habe ich selbst nachgesehen, spaßeshalber bei aktuellen Simrad-Piloten.
    Standby scheint weiterhin obligatorisch verfügbar.
    Die Funktion gibt nicht das Ruder frei, sondern trennt den Kompass als Signalgeber und ersetzt diesen durch eine manuelle Eingabe.
    Was eine 10 ° Kpk oder Rwk-Kursänderung wäre, mutiert im Standby-Modus zu 10° Ruderlage. Oder jedenfalls im Prinzip.
    Das wäre jeden falls ein probater Modus, um von Kompass- und Datenanomalien befreit zu werden.
    Ob es sich um einen Pinnen- oder Radpilot handelt, wäre auch erstmal egal.

    Damit der Modus kleinräumig und zeitnah zum Einsatz kommen kann, muss die Bedieneinheit in Reichweite des Rudergängers sein und der seine Anlage verstehen, denn üblicherweise wird dieser Modus außer im absoluten Notfall vermutlich nie eingesetzt. Wenn man in 10m Distanz an einem magnetischen Dalben vorbeifährt, könnte die Reaktionszeit nicht reichen. Also AP aus oder schon vorher auf Standby umstellen, was zur Folge hätte, dass man den Kurs in Intervallen zuweilen manuell nachsteuern müsste, mithin auch hier ins Spiel kommt, dass die Bedieneinheit dort montiert ist, wo üblicherweise ein Rudergänger sitzt. Und dann also schauen, ob die eigene Anlage dies a) kann und b) das Bedeinteil richtig positioniert ist oder ob ggf. ein drahtloses Bedienteil den gleichen Funktionsumfang hat.
    Im Detail unterscheiden sich die im BSU-Bericht genannten Fälle letztlich alle voneinander.
    Das Mobo im Hamburger Hafen rammte die Pier möglicherweise, weil der Skip mit seiner Anlage überfordert war.
    Das Ramming mit der Planet geschah, weil das einzige Crewmitglied der Yacht unter Deck war und keinen Ausguck ging, während die Yacht unter AP fuhr.
    Bei den angerammten NOK Dalben war der Passierabstand so gering, dass einfach nicht mehr rechtzeitig in den AP eingegriffen werden konnte.

  • Du hattest noch nie mit einem Einbaupiloten zu tun?

    Sorry aber das was ich habe ist ein Einbaupilot, die Schubstange ersetzt den PiPi, deshalb ist das aber trotzdem ein Enbaupilot, oder ist alles was an der Pinne angreift kein Enbaupilot? Die ganzen anderen Dinge sind genau so verbaut wie es auch bei einer Quadrantensteuerung wäre.

  • Paulest

    Entschuldigen musst du dich bei mir nicht.

    Unter einem Einbaupiloten verstehe ich einen Autopiloten der gemeinhin aus mindestens drei Komponenten besteht:

    • Bedienteil, fest eingebaut oder als Fernbedienung
    • Zentralrechner, Kursrechner
    • Dauerhaft mit der Ruderwelle verbundener Antrieb, mit elektrisch betätigter Kupplung

    Dazu kommt dann noch Sensorik

    • Kompass
    • Gyrosensor
    • Ruderlagegeber

    Dein EVO100, falls du darauf abhebst, erfüllt nicht alle o.a. Kriterien. Die Schubstange ist zwar einzeln, aber wird per Hand auf den Zapfen an der Pinne aufgesetzt und wieder abgehoben.


    Die o.a. Definition ist das was ich unter einem Einbaupiloten verstanden wissen möchte. Ob es allgemeingültig ist, ist mir dabei nicht so wichtig.


    Jetzt klar, was ich meine?

    Uwe

    Wenn man einen Stander möchte geht das so:

    • Konversation (PN) oder E-Mail an ugies.
    • Adresse angeben.
    • Stander kommt per Post mit offener Rechnung.
    • Überweisung und gut. 🙂

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    Nordyacht Uwe Giese

  • Ich war zwischen 2015 und 2020 auf ca. 30 verschiedenen Charteryachten unterwegs. Bei allen (!) hat ein Druck auf die Standby-Taste den AP schlicht und ergreifend ausgeschaltet.

    Der von Dir beschriebene Modus ist mir nicht auf einem einzigen Boot begegnet.

  • Volle Zustimmung! Ich bin ja in den letzten Jahren auf diversen Booten lange Strecken gesegelt. Daher war in über 95% der AP als Einbauanlage wie von Uwe beschrieben am werkeln. Ein einziger Druck auf den Standby Button hat ihn unterbrochen und man kann unmittelbar auf Handsteuerung gehen.

  • Volle Zustimmung! Ich bin ja in den letzten Jahren auf diversen Booten lange Strecken gesegelt. Daher war in über 95% der AP als Einbauanlage wie von Uwe beschrieben am werkeln. Ein einziger Druck auf den Standby Button hat ihn unterbrochen und man kann unmittelbar auf Handsteuerung gehen.

    Auch wenn sich die Software aufgehängt hat?

    Zausel

  • Ich war zwischen 2015 und 2020 auf ca. 30 verschiedenen Charteryachten unterwegs. Bei allen (!) hat ein Druck auf die Standby-Taste den AP schlicht und ergreifend ausgeschaltet.

    Der von Dir beschriebene Modus ist mir nicht auf einem einzigen Boot begegnet.

    Ich hätte das vor der Saison auch unterschrieben - aber:

    Der Raymarine Autopilot auf einer 60 Fuss hat in den letzten 10 Jahren sehr selten mal 'Still abgeschaltet' - vornehmlich vor dem Wind. Das war bekannt, also hat man den immer kontrolliert.
    In der letzten Saison hat der sich entschieden gelegentlich zu blockieren - der Linearantrieb hat das Ruder blockiert und auch 'Standby' zeigte keine Wirkung. Nur das Stromlosschalten per Sicherung hat das Ruder wieder freigegeben.
    Da der AP das gelegentlich auch gemacht hat wenn er gar nicht aktiviert war (also auf Standby), ist jemand auf die Idee gekommen das Bedienpanel abzuklemmen. Das hat aber auch nicht funktioniert. Da AP und Navi auf einer Sicherung waren, war das zwischendrin unangenehm...

    Ein neuer AP ist schon gekauft....

  • Ich war jetzt in meinem Post #91 auf die normale Funktion eingegangen, nicht auf Fehlfunktionen.


    Grundsätzlich hat man bei heutigen festverbauten AP das Problem, dass das Bediengerät und der Rechner / Leistungsteil nur über den N2K-Bus verbunden sind. Wenn es auf dem Bus Probleme gibt (Feuchtigkeit, falsche Terminierung, *irgendein* kaputtes Gerät) dann kann das natürlich auch die Kommunikation zwischen dem Bediengerät und dem Rechner stören. Dann bewirkt der Druck auf die Standby-Taste u.U. gar nichts mehr.


    Wir hatten, wie bereits beschrieben, auf unserem Boot dieses Problem mit dem AIS-Transponder, der jede Menge Krawall auf dem Bus gemacht hat.


    Aus diesem Grund braucht man eigentlich zwingend einen Notschalter, mit dem man den AP sozusagen "hardwaremäßig" abschalten kann.

    Ob einem dafür der Schalter am E-Panel reicht (Erreichbarkeit) muss jeder selber wissen. Ich würde das auf unserem Boot eher mit "nein" beantworten und somit gibt es wieder was zu basteln.

  • Ich kann gerne von weiteren Offtopic Antworten absehen. Bitte einfach mitteilen.

    Bitte auf keinen Fall. Deiner Erklärungen zu Prozessen in der Berufschiffahrt sind sehr interessant und aufschlussreich.


    Wir kennen "die Berufschiffahrt" i.d.R. nur aus unserer Perspektive, d.h. wir sehen, was das große Schiff da tut (oder nicht tut). Die Beweggründe für das beobachtete Verhalten müssen wir uns so gut es geht zusammenreimen, auch um daraus eine Vorhersage zu treffen, wie es wohl in der Situation weitergeht. Da ist etwas Hintergrundinformation m.E. sehr hilfreich.


    Ich war z.B. schon der Meinung, dass die dicken Pötte auf dem NOK mit Autopilot fahren und die Tafeln am Ufer mit den Zahlen für die Drehrate genutzt werden, um den Autopiloten zu "füttern" - Wieder was gelernt!


    Unsere Unkenntnis führt dann oft zu Fehlinterpretationen, Missverständnissen oder schlichtem Unverständnis ("Ist denn der Wachoffizier besoffen?")


    Das erinnert mich an einen Cousin, der (allerdings eher so in den 70er/80er Jahren) zur See gefahren ist, als Mannschaft (Koch), nicht als Offizier. Der erzählte, dass er gutes Geld damit verdiente, Alkoholika beim zuständigen Offizier zu kaufen (meist Zollfreipreise) und die dann an andere Crewmitglieder weiterzuverkaufen, denen die maximal erlaubte tägliche Verkaufsmenge nicht reichte. Diese Maximalmenge war ein Kasten Bier oder eine Flasche Schnaps...


    Ich hoffe mal, dass sich das (ähnlich wie auf dem Bau) inzwischen gebessert hat.


    Schöne Grüße,


    Roman

    A ship in a harbour is safe, but that is not what ships are built for !

  • Diesen Notaus an prominenter Stelle habe ich meinen Kunden schon vor 20 Jahren empfohlen. Manche haben ihn, manchen war zu teuer, zu doof, zu umständlich, zu unwichtig.

    Ein Circuitbreaker vom Außenbordmotor ist gut geeignet.

    Uwe

    Wenn man einen Stander möchte geht das so:

    • Konversation (PN) oder E-Mail an ugies.
    • Adresse angeben.
    • Stander kommt per Post mit offener Rechnung.
    • Überweisung und gut. 🙂

    Kosten: SF-Stander 7,00 €, Versand 1,10 €


    Nordyacht Uwe Giese