Wantenlänge bemessen bei neuem Mast - ohne vorhandene Wanten

  • Hola zusammen,


    es naht sich die Saison, das Boot ist über Winter etwas aufgefrischt und es gab einen neuen Mast von FK MASTBAU 7,30m höhe. Nichts wildes.


    Mein kleiner 5m Küstenkreuzer soll in 4 Wochen wieder zu Wasser gelassen werden und bis dahin soll der neue Mast logischerweise passen und neue 4mm Wanten draufgespannt werden. Es gibt am neuen Mast keine Wanten, der alte Mast hat einen anderen Aufbau und die Wantelänge von dem alten Mast ist zu kurz und kann nicht als Muster herangezogen werden. Sprich: Es gibt kein grobes Maß, nur ein Nakter Mast und ein Boot :smiling_face:


    Gibt es Tipps, wie ich den Mast stellen kann, um dann die Wantenlänge zu bestimmen?


    Kann man den Mast probeweise an den insgesamt 3 (2Wanten/1Vorstag) Anschlagpunkten mit Schäkel und Tauwerk verbinden und am Pütting am Boot mit Schäkel ebenfalls verbinden und dann etwas Festziehen, sodass der Mast erstmal steht und die Leinen auf Spannung sind, um dann die Maße zu nehmen und die Drähte entsprechend anzufertigen?


    Logischerweise mit kaum Dehnbarem Tauwerk.


    Meine Idee : Mast mit Leinen stellen, Leinen festziehen, vom Schäkel am Anschlag oben bis schäkel unten am Pütting Maß nehmen, Länge der aufgedrehten Wantenspanner abziehen und danach die Wanten anfertigen?


    Wie würdet ihr das machen, müsstet und wolltet ihr das so machen wie ich?


    Danke für die Hilfe!!!

    Patrick

  • Das geht ohne weiteres, du kannst aber auch die Bandmaße! vorher an den Wantenbefestigungen befestigen und direkt messen.

    Vorausgesetzt der Mast steht gerade ( mit dem Großfall auf beide Püttinge messen) sind die Wanten ja gleichlang. Also je ein Bandmaß für Ober-und Unterwant.

    Alternativ Wanten mit oberer Befestigung pressen lassen und unten Terminals zum Schrauben. Wanten 50cm zu lang fertigen lassen und am gestellten Mast abhängen und Terminale selbst anbringen , spart das Zeit und ist sicher. nicht teurer als walzen lassen.

  • Ich würde mir auch den Weg über aufwändiges Messen sparen und den Krams selbst machen. Entweder so, wie Patrese es schrieb, oder - zumindest Wanten und ggf. Achterstag - gleich mit Dyneema. Beim Vorstag sind wir noch bei Draht geblieben, wg. (Angst vor) Schamfilen bei Stagreitersegeln.

    Natürlich kosten die Schraubterminals mehr, aber das spart man durch das Vermeiden der ganzen Herumfahrerei schnell wieder ein. Falls du ein Achterstag hast, kannst du ohnehin eine Talje dran machen.

  • Fantastisch, 1000 Dank für die netten Rückmeldungen!!!


    Da ich von den letzten Umbauten/Jahren noch eine Rolle Wantendraht, Nicopresszange + NP-Hülsen usw rumliegen habe, verbrauche ich zunächst das Material.



    Aber die Idee mit Dyneema ist so gut! Ich kannte es echt vorher nicht. Das wäre genau meins.


    Vielen Dank nochmal :smiling_face:


  • Ein Segelkamerad und ich haben unsere Wanten gleichzeitig neu gemacht. Bei mir wurden sie nur erneuert, so dass die alten Wanten noch vorhanden waren.

    Ich konnte also den Mast mit den Unterwanten und Vorstag stellen. Weil ich auch die Wantenspanner erneuert habe, konnte ich keine Maße direkt übernehmen.


    Also habe ich die neuen Seile mit Übermaß abgelängt, Ringterminals aufgepresst und am Masttop angeschäkelt. Dann den Mast gestellt und die Schnittstellen markiert.

    Nach Mastlegen dann die Wantenspanner aufgepresst, dafür musste ich nicht einmal die Ringterminals abnehmen. Das ist ohne große Eile in 3-4 h erledigt, wenn man

    alles allein macht und sich Zeit lässt.


    Mein Kamerad hatte einen neuen Mast gekauft und konnte daher weder die alten Seile verwenden noch alte Maße übernehmen. Wir haben da mit einer Hubarbeitsbühne

    (elektrisch auf einem Anhänger) den Mast gestellt und mit Leinen abgespannt. Dann genau das gleiche Prozedere, was bei einem 26 Fuß Boot mit Kiel natürlich

    erheblich zeitaufwändiger ist, weil man immer die Leiter rauf und runter muss.


    Mast stellen mit Bühne.jpg


    Unbedingt empfehlenswert ist ein Walzgerät mit hydraulischer Handpumpe. Das kann man sich bei CG Ahrens wochenweise ausleihen. Man spart an den Seilen, Spannern,

    Terminals und dem Draht so viel Geld ein, dass die Wochenmiete leicht eingespart ist. Man kann dann auch leicht einen Hahnepot einbauen, die Relingsdrähte erneuern usw.


    Walzgerät.jpg


    Das Walzgerät gibt es hier: Wireteknik A200


    Viel Erfolg,

    Christian

    Neptun 20, Segelnummer 950, Honda 5BFU, Liegeplatz Bernau/Chiemsee

  • Hi,


    wenn es Dynema sein soll, kann ich ich das von Gleistein empfehlen. Ist vorgereckt und von sehr guter Qualität.

    DynaOne MAX HS

    5 mm sollten bei Deinem Boot vollkommen reichen. Du kanst nur nicht die Stahlwantenlängen 1 zu 1 übernehmen. Ein paar cm kürzer muß es sein. Weil ein wenig Reck hat es dennoch. Spleißen solltest Du auch können. Dann kann man das auc getrost selber machen. Beim ersten mal wäer Hilfe ganz gut.


    LG

    Frank

  • Bei 5m Boot wird wohl sogar nur 4mm Draht drauf sein. Das kann man ja esay mit der Presszange verarbeiten. Braucht nicht mal Terminals.

    Am schwierigsten stelle ich mir das abmessen der Länge vor.

  • bist Du zufriegen? Wie lange hast Du es schon?

    Seit letzter Saison. Zur Zufriedenheit kann ich wenig sagen, jedenfalls wird der Mast ohne Last gehalten (Boot wurde krankheitsbedingt mal wieder nur zwischen Steg und Kran bewegt:-/

    Handling ist gut, das Problem der Kinken beim Maststellen ist natürlich deutlich geringer als bei Drahttauwerk. Dies ist wichtig, da wir den Mast ohne Kran und ohne Jüt stellen. Die Wanten habe ich machen lassen, das Achterstag möchte ich in diesem Frühjahr selbst machen. Vorstag ist ein Jahr älter und blieb erstmal Draht.

  • Ich weiss ja nicht... Bei Drahtwanten habe ich schon ein wenig ein besseres Gefühl v. a. wg. scheuern... Da braucht es wenig und das Textil ist durch. Ausserdem kann ich den Draht komplett selber crimpen in meinem Falle. Dann muss die Want ja auch noch bei den Salingen fixiert werden. Klar, kann man bestimmt alles auf Textil umbauen...

  • Bei 5m Boot wird wohl sogar nur 4mm Draht drauf sein. Das kann man ja esay mit der Presszange verarbeiten. Braucht nicht mal Terminals.

    Am schwierigsten stelle ich mir das abmessen der Länge vor.

    Vermutlich geht das sogar mit einer Presszange. Aber auch die müsste man sich ausleihen und dazu noch eine große Drahtschere.


    Letztere ist in der Kiste mit dem Leih-Walzgerät schon dabei. Und es ist ein gutes Gefühl, wenn die Augterminals und Wantenspanner

    richtig aufgewalzt sind. Die Hülsen werden beim Walzen länger. In der Anleitung zum Walzgerät gibt es eine Tabelle, um wie viele Millimeter

    sich die Hülsen verlängern in Abhängigkeit vom Durchmesser.


    So ist der Draht gleichmäßig und rund gewalzt und wird nicht punktuell gequetscht. Mit der Tabelle und einem Messchieber hat man auch

    gleich eine Kontrolle, ob die Walzung OK ist. Wenn man noch Segelkameraden findet, die auch etwas am stehenden Gut machen wollen,

    teilen sich die Kosten noch auf.


    Ein Freund hatte sein stehendes Gut eingeschickt und auch alles neu machen lassen. Das kam auf knapp über 500 EUR. Ich habe mir

    das Stahlseil, 10 Augterminals zum Walzen und acht Wantenspanner zum Walzen bei ebay zusammengesucht und kam auf 180 EUR.


    Dazu kamen 50 EUR Beteiligung am Walzgerät. Insgesamt also 230 EUR für das komplette Rigg. Selbst wenn ich mir das Walzgerät

    selber ausgeliehen hätte, wären es noch über 70 EUR preiswerter als 'machen lassen'. Dafür kann ich dann aber alles vor Ort machen

    und jedes Seil einzeln genau anpassen.


    Das Abmessen der Länge ist nur dann ein Thema, wenn man das mit dem Bandmaß machen muss und dann hoffen und bangen,

    dass die Seile am Ende auch passen. Da sind ganz leicht mal 500 EUR versenkt, wenn man sich vermessen oder etwas anders

    verstanden hat.


    Viele Grüße,

    Christian

    Neptun 20, Segelnummer 950, Honda 5BFU, Liegeplatz Bernau/Chiemsee

  • Ich weiss ja nicht... Bei Drahtwanten habe ich schon ein wenig ein besseres Gefühl v. a. wg. scheuern... Da braucht es wenig und das Textil ist durch. Ausserdem kann ich den Draht komplett selber crimpen in meinem Falle. Dann muss die Want ja auch noch bei den Salingen fixiert werden. Klar, kann man bestimmt alles auf Textil umbauen...

    Dafür kann man auch an den kritischen Bereichen Dynema Cover darüberziehen.

    LG

    Frank

  • Bei 5m Boot wird wohl sogar nur 4mm Draht drauf sein. Das kann man ja esay mit der Presszange verarbeiten. Braucht nicht mal Terminals.

    Am schwierigsten stelle ich mir das abmessen der Länge vor.

    Das ist nicht so schwierig:


    Die Wanten (und Stagen) werden zuerst am liegenden Mast befestigt (Nirokausch mit Nico-Pressnippel, die Kausch dann in den vorgesehenen Beschlag, meist mit Bolzern und Ringsplint einhängen. Die Drahtseile mit etwa 0,5m Übermaß auf Länge schneiden.


    Den Mast provisorisch stellen (Mit Vor und Achterstagen aus Fallen, Hilfswanten aus Tauwerk).


    Wantenspanner ziemlich weit aufdrehen, in Püttings einhängen, in oberes Gabelterminal eine Kausch einhängen.


    Jetzt eine Presshülse auf das jeweilige Want schieben, um die Kausch durch den Wantenspanner legen, nochmal durch den Pressnippel pfriemeln und mit der Zange so fest ziehen, wie es geht. Dann die Länge mit einer Grip-Zange fixieren. Dabei aufpassen, dass man den Wantendraht nicht beschädigt! also mit Augenmaß. Die Gripzange muss nur den Draht halten, den Mast halten noch die Hilfswanten.


    Nachmessen! vor allem bei den Oberwanten, ob der Mast grade steht. gg korrigieren (mit den Hilfswanten).


    Wenn der Mast grade steht, die Nico-Press-Zange leicht an der Presshülse ansetzen (so dass die Presszange die Hülse hält, aber noch presst) und die Hülse so weit wie möglich auf die Kausch drücken (ist bei 4 mm 1 x 19 gar nicht so einfach, geht aber grade noch). Jetzt die Pressung durchführen. Somit ist die Länge fixiert . Pressung fertigstellen (bei 4 mm muss man, soweit ich mich erinnere 2 oder drei Mal auf die Länge der Hülse pressen),Überstand vorsichtig abschneiden, Wantendrahrtdabei nicht beschädigen.


    Andere Seite genauso pressen. Die restliche Lose kann man mit dem Wantenspanner rausziehen.

    Unterwanten genauso pressen. Wenn vordere und hintere Unterwanten vorhanden sind, halten die den Mast provisorisch bis Vor-uund Achterstag gepresst sind. Ansonsten darf man die Fallen, die man behelfsmäßig zum Stellen des Mastes verwendet hat, erst wegnehmen, wenn man die Stage auch fertig gepresst hat.


    Beim Achterstaag würde ich, wenn möglich eine Talje zum Trimmen vorsehen (Kraft und Weg abhängig vom Riggtyp)


    Hoffe, die Beschreibung ist anschaulich genug, bei Bedarf gerne nachfragen!


    Schöne Grüße,


    Roman

    A ship in a harbour is safe, but that is not what ships are built for !

  • Bei Drahtwanten habe ich schon ein wenig ein besseres Gefühl v. a. wg. scheuern

    Ja, aber ich hatte jetzt von so vielen positive Beobachungen mit Dyneema gehört/gelesen, dass ich es erstmal gemacht habe. Sonst: Überzug oder etwas schneller wieder neu. ...

    Draht komplett selber crimpen

    oder Tau komplett selber spleißen

    Want ja auch noch bei den Salingen fixiert

    ... oder auch nicht, ich kenne genug Kleinkreuzer, bei denen das nicht der Fall ist.



  • Das. Ist. Die. Lösung. 1000 Dank!!!


    Danke vielmals für diese ausführliche Beschreibung. Ich kann jeden Schritt mehr als klar nachvollziehen - am Ende beschreibst du, dass man die „Lose“ wieder am Ende aus den Wantenspannern rausziehen kann - mein beschränktes Hirn kann nicht ganz erarbeiten, was damit gemeint ist



    Wie kann ich die Wanten um 0,5 m länger schneiden, als ich brauche? Das klingt total Banane - aber ich weiß ja nichtmal wie lang die ungefähr sein müssen. Gibts da irgendeinen generischen Hinweis wie zB


    „Länge von anschlagpunkt Rigg bis Mastfuss“ oder irgendwas, was eigentlich „immer“ passen sollte?



    Ich habe für die Oberwanten nur ein pütting/loch am Rumpf - ich tue mich schwer mir vorzustellen, den Mast mit Hilfsleinen aufzustellen, an den Püttingen, die ich brauche, um die Wanten anzuspaxen und die Nico-Hülsen anzucrimpen. Da kommt mir alles in die Quere - es ist wie gesagt nur ein kleines 5m boot ohne viel anbringmöglichkeiten wie eine Reling, sonstige Klampen etc


    Evtl. Gibt dafür links und rechts einfach jeweils 1 neue Klampe; dann freuen sich danach die fender 🤣



    Ansonsten klingt das sehr sehr schlüssig.


    Die Tipps sind alle Goldwert !

    Patrick

  • am Ende beschreibst du, dass man die „Lose“ wieder am Ende aus den Wantenspannern rausziehen kann - mein beschränktes Hirn kann nicht ganz erarbeiten, was damit gemeint ist

    War vielleicht nicht so dolle beschrieben: Du kannst ja das auf das Drahtseil nicht so viel "Zeng" drauf ziehen, wie Du später beim Segeln brauchst. Dazu hast Du ja die Wantenspanner . Du ziehst also das Drahtseil vor dem Pressen so fest Du kannst und was dann noch fehlt, machst Du nach dem Pressen mit dem Wantenspanner.


    Wie kann ich die Wanten um 0,5 m länger schneiden, als ich brauche? Das klingt total Banane - aber ich weiß ja nichtmal wie lang die ungefähr sein müssen. Gibts da irgendeinen generischen Hinweis wie zB


    „Länge von anschlagpunkt Rigg bis Mastfuss“ oder irgendwas, was eigentlich „immer“ passen sollte?

    Vom Anschlagpunkt am Mast bis zum Ende der Saling plus von der Saling bis zum Pütting.

    Von der Saling bis zum Pütting ist ca. das Maß von der Salin am Mast entlang bis zum Mastfuß plus die Strecke, die der Mastfuß über den Püttingen steht (weil er z.B. auf dem Kajütdach steht). Davon ziehst Du die Länge der Wantenspanner ab. So lange müssen die Wanten sein. Wenn Du da einen halben Meter drauf gibst, solltest Du genügend Reserve haben.

    Ich habe für die Oberwanten nur ein pütting/loch am Rumpf - ich tue mich schwer mir vorzustellen, den Mast mit Hilfsleinen aufzustellen, an den Püttingen, die ich brauche, um die Wanten anzuspaxen und die Nico-Hülsen anzucrimpen. Da kommt mir alles in die Quere - es ist wie gesagt nur ein kleines 5m boot ohne viel anbringmöglichkeiten wie eine Reling, sonstige Klampen etc

    Sicher hast Du auch Holepunkte für die Fockschot. Da kannst Du die "Hilfswanten" auch festmachen. vielleicht sogar umlenken und mit Winschen oder Klampen festmachen... Viel Last kommt da ja nicht drauf...


    Wenn Du noch weitere Fragen hast - nur zu!


    Schöne Grüße,


    Roman

    A ship in a harbour is safe, but that is not what ships are built for !

  • Ich habe für die Oberwanten nur ein pütting/loch am Rumpf - ich tue mich schwer mir vorzustellen, den Mast mit Hilfsleinen aufzustellen, an den Püttingen, die ich brauche, um die Wanten anzuspaxen und die Nico-Hülsen anzucrimpen.

    Du könntest vor dem Maststellen die Wantenspanner anschlagen und die Hilfswanten dann durch die untere Gabel oder - bei offenen Spannern - durch das Mittelstück des Spanners fädeln und einen Meter drüber (= großes Auge) mit einem Stopperstek festtüdeln.

    Das spart vielleicht sogar die dritte Hand beim Drahtseilakt, weil der Spanner dann 'von selbst' aufrecht steht.

    --
    Stefan

  • Mast stellen und dann die Maße abnehmen geht gut. Oft gemacht.

    Beachten:

    - Verstellbereich der Spanner vorher nachschauen und mit einplanen

    - Hilfswanten aus Tau können auch bei Dyneema-Kern mehr Dehnung haben. Schon bei 6-7m Masten kann das das Ergebnis beeinflussen

    - Mast vollständig ausrichten, d.h. ohne Seitenneigung, inkl. evtl. Mastkrümmung und vor allem inkl. Mastfall. Sonst reicht am Ende vlt. der Verstellbereich der Spanner nicht.


    p.s. habe bislang ausschließlich Terminals walzen lassen. Pressungen nehme ich nur bei Fallen/Streckern/Vorläufen usw.