Skipper eingepickt vorschiffs über Bord - und nun?

  • Die Sache mit der Strickleiter funktioniert deshalb nicht, weil diese sofort, wenn der MOB einen Fuß auf eine Stufe setzt, unter den Rumpf ausweicht.

    genau so ist es, auch diese Rettungsleitern, die bei einigen Neubauten achtern an einem Gurtband rausgezogen werden sind total irre, nicht zu gebrauchen.


    Gruß Odysseus

  • Thema Heckleiter: wie tief gehen Eure denn ins Wasser? Und wie ist Euer Spiegel gestaltet? Einfallend?
    Weil: das geht bei uns eigentlich gut und ist bei 6 Bft und 0,5-1m (steiler) Welle bereits im Ernstfall getestet worden - allerdings beim Bergen eines etwa 13-jährigen Jungen mit nassen Klamotten und Feststoff-Rettungsweste. Der ist vielleicht beweglicher als ein Erwachsener.

    Unser Spiegel ist steil und die Leiter reicht etwa 0,5m unter die Oberfläche. Für Erwachsene ist die Herausforderung, im Wasser die Füße unter Kopfhöhe zu ziehen und sich dann mit den nassen Klamotten hochzuwuchten. Es wäre besser, wenn die Leiter noch tiefer gehen würde, aber dann müsste sie in sich faltbar gestaltet sein.
    Jedenfalls, auch hier hängt es wohl wieder vom konkreten Boot und sicher auch von den Umständen ab. Wir fühlen uns mit unserer Heckleiter eigentlich recht gut bedient.

    Gruß
    Andreas


    FotomitLeiter.jpeg

  • wenn die Leiter noch tiefer gehen würde, aber dann müsste sie in sich faltbar gestaltet sein.

    Oder ausziehbar, das gibts auch. Um einigermaßen einen Fuß auf die Leiter zu bekommen, müssen mind. zwei Stufen unter Wasser reichen. Und das nur bei einer Badeleiter. Wer mit vollen Klamotten ins Wasser fällt, hat sofort Stress und ist durch die nassen Klamotten sehr unbeweglich. Also besser noch tiefer.

    Gruß, Klaus

  • Bei uns ist die Badeleiter mindestens eine Stufe zu "kurz", Sie reicht zwar 1-2 Stufen ins Wasser aber die könnte durchaus komfortabler, also eine weitere Stufe weiter unterwasser sein.

  • Leiter 1,5 Stufen im Wasser.....recht kurz, viele Maxi 95 Eigner basteln noch eine Stufe klappbar dran. Leiter extrem nah am Ruder. Wir kommen aber noch gut damit klar, Fuß drauf, Entenarsch machen und nun mit etwas Schwung die Hand und dann den Körper höher.

    ....Aber schön, dass viele Theorien nicht zur Praxis passen. Ich dachte schon, dass ich mich wohl verguckt habe, dass man im beiliegen bei 1 m Ostssewelle hinten eigentlich gut reinkommen müsste. Der Trick ist eben das seitliche.....wenn der Bug nicht hoch und runter geht, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass das Heck das auch nicht tut. :winking_face:


    VG

  • MoB hatte ich glücklicherweise noch nicht, aber ich war schon mal baden.

    Unser Spiegel ist - ja, wie nennt man das denn? Negativ? Jedenfalls oben weiter hinten als unten :volker:

    Die Badeleiter ist herunterklappbar, Scharnier ungefähr in der Mitte. Auch wenn das weit von dem Verhalten einer Strickleiter entfernt ist, klappt das Ding unangenehm unter den Rumpf, wenn man darauf steigen möchte. Wenn ich mir das bei stampfendem Heck vorstelle, wäre das zumindest äußerst sportlich. Wir haben außerdem ein altes Boot aus den 70ern. Bei so einem flachen neuen Schiff ist da wahrscheinlich noch viel schneller viel weniger Rumpf unter der Wasserlinie, könnte ich mir vorstellen. Macht es noch unangenehmer.


    Also an einer Strickleiter oder ähnlich flexiblen Hilfen bei Seegang alleine hochklettern halte ich für sehr herausfordernd - und ich bin Boulderer, drahtig und mit Idealgewicht. Etwas älter, etwas mehr Gewicht, motorisch vielleicht irgendwie nicht so richtig geschickt - schwierig.

  • Unser Spiegel ist - ja, wie nennt man das denn? Negativ? Jedenfalls oben weiter hinten als unten

    Das ist bei uns genau so - die Leiter hat aber 'Abstandshalter' und die untere Stufe ist komplett unterhalb der Wasserlinie. Sie bleibt aber gerade.

    Strickleitern sind immer nur 'Plan B' - aber wenn die an der Bordwand anliegt, ist es sicher einfacher, als ganz ohne Hilfsmittel...

    Was ich überlegt habe ist die Art, wie die Klappleiter gesichert ist. Die kann man - so wie das aktuell ist - nicht aus dem Wasser geraus runterklappen.
    Da müsste man ggf. den Sicherungsstropp teilen - unten an der Leiter den Stropp teilen und mit einem Knoten verbinden. Dann könnte man die Leiter von oben und von unten lösen...

  • Was ich überlegt habe ist die Art, wie die Klappleiter gesichert ist. Die kann man - so wie das aktuell ist - nicht aus dem Wasser geraus runterklappen.
    Da müsste man ggf. den Sicherungsstropp teilen - unten an der Leiter den Stropp teilen und mit einem Knoten verbinden. Dann könnte man die Leiter von oben und von unten lösen...

    Ich hatte auf meinem Boot eine Leine an die unterste Stufe geknotet. Bei hochgeklapptem unteren Teil der Leiter wurde diese mit einem Slipstek am Heckkorb angebunden. Das frei Ende der Leine reichte bis zur Wasserlinie. Für einen MoB wäre es leicht gewesen, nur an der Leine zu ziehen. Slipstek geht auf und Leiter klappt zu ihm herunter.

    Gruß, Klaus

  • Strickleitern entlang der Bordwand funktionieren ausgezeichnet - allerdings dann, wenn man eine mit Stufen hat. Mit dünnen Sprossen ist es schwierig, den Fuß auf die nächste Sprosse zu kriegen, die gerade gegen die Bordwand gepresst wird.

    Die Stufenbreite ist deswegen internationalisiert und u.a. von der See-BG entsprechend vorgeschrieben. Jeder Matrose lernt, so eine Leiter zu knoten und zu benutzen.


    Außer unter dem Namen Matrosenleiter gibt es sie unter der Bezeichnung Lotsenleiter und ... man kann sie, weil jeder Seemann (sailor) sie knoten kann, sogar Stufe für Stufe bei Toplicht kaufen. Nicht aus Holz, wie ich sie kenne, sondern aus Hartgummi. Link: https://www.toplicht.de/de/sic…mistufe-fuer-lotsenleiter


    Etwas was täglich etliche tausend Mal völlig problemlos benutzt wird, auch frei schwebend unter'm Bug, würde ich nicht pauschal als unbrauchbar abstempeln.

  • Lotsen beim An- und Vonbordgehen. Landgangstreppe geht quasi nur beim Stilliegen.


    Matrosen bei Arbeiten außenbords.

    Die müssen ja irgendwie auf die Stellage kommen und wieder zurück.


    Für einen Seemann ist diese Art der Strickeiter etwa so außergewöhnlich, wie für einen Städter eine Rolltreppe.

  • Für einen Seemann ist diese Art der Strickeiter etwa so außergewöhnlich, wie für einen Städter eine Rolltreppe.

    Sicherlich. Wenn sie oberhalb der Wasserlinie benutzt wird und an einer senkrechten Bordwand anliegt.
    Würden Lotsen vor dem Übersetzen erstmal ins Wasser springen und sodann Schiffe aufentern, deren Rumpf unterhalb der Wasserlinie weit zurückweicht, würden sie sicher alle möglichen Aufstiegshilfen benutzen, jedoch keine Strickleitern.

  • Zum Thema Heck und Badeleiter:

    Wir wollten mit einem befreundeten Paar mal testen, wie eine Zweiercrew den Partner am besten aus dem Wasser bekommt. Dazu sollte der Mann ins Wasser, und damit es lebensnah wird mit allen Klamotten und Weste, die aufgeht. Damit nicht beobachtende Segler die DGzRS alamieren, habe ich dort per Mail angefragt, ob wir die Aktion besser anmelden um Fehlalarme zu vermeiden.

    Die stark gekürzte Antwort: "gut, dass Ihr so was ausprobiert....aber holt den Mann NICHT über das Heck und die Badeleiter rein"

    Es hängt sicher viel vom Schiffstyp ab - aber Heck auf den Kopf ist dann definitiv der Seenotfall.

  • Wenn sie oberhalb der Wasserlinie benutzt wird ...

    Das ist fiktiv. Schwerkraft wirkt bei den Hartgummistufen auch unter Wasser.


    Zum Schwimmen gehen auf Rede z.B. oder an Terminals außerhalb nimmt man zwar meistens die Landgangstreppe, aber die Matrosen- oder Lotsenleiter tut es genauso. Es ist halt anstrengender nach einem Sprung von der Bordwand 5 oder 7 Meter die Leiter hochzuklettern als die Treppe zu nehmen. Die Holzstufen gehen im Gegensatz zu Hartgummi halt nicht unter, aber das macht nicht viel.

    Probiers aus. Erst machen, dann meckern.

  • Ich habe allmählich den Eindruck, dass viele ihre ersten 20 Lebensjahre im Maxi-Cosi verbracht haben.


    Odysseus Ja. Das tut man. Dadurch kommt mehr Zug auf die Arme. Schrecklich. Gleichzeitig sollte man sie nicht zu lang lassen. Aber da wo ich als Kind gewohnt habe, gabs echte Felsen über Wasser und Bäume.

  • Schrecklich.

    In der Tat, daher schafft man es auch kaum auf einer senkrechten festen Leite mit vollgesogener Schwerwetterkleidung und aufgeblasener Rettungsweste hoch zu kommen. Was Dein Wohnort und Deine Kindheitsklettereien damit zu tun haben erschließt sich mir nicht. Du kommst wieder ins schwadronieren.

    Aber bleibe ruhig bei der Strickleiter.


    Gruß Odysseus

  • Probiers aus. Erst machen, dann meckern.

    Ganz meine Devise, mein Guter. Fa. Kadematic entwickelte mal eine Rettungsinsel mit zu öffnender Pforte, in die man quasi einschwimmen konnte. Die wurde im Trainingszentrum Neustadt der Bundesmarine einem Vergleichstest unterzogen. Dem durfte ich beiwohnen. Hintergrund: alle anderen (oder jedenfalls die verglichenen, es waren weitere vier Fabrikate) Rettungsinseln waren mit flexiblen Leitern ausgestattet. Das Problem beim Besteigen, insbesondere

    - mit Ölzeug, welches ja bekanntlich auch Auftrieb durch Lufteinschlüsse z. B. in den Beinen enthalten kann

    - zudem mit einer aufgeblasenen Rettungsweste ausgestattet, die einen tendenziell in Rückenlage versetzen will:
    es ist im Wasser nur sehr schwer möglich, senkrecht mit Belastung von oben auf eine flexible Leiter zu steigen, die dafür zusätzlich auch noch sehr tief ins Wasser reichen muss, damit das überhaupt funktionieren könnte. Tut es aber ohnehin nicht.
    Sobald die Beine etwas vorlicher zur senkrechten Körperachse stehen, neigen sie zum Aufschwimmen und die flexible Leiter weicht zurück. Im Ergebnis fand man sich häufig in Rückenlage wieder, bis zur Hüfte oder gar bis zur Brust unter der Rettungsinsel. Aus der Position kommt man kaum noch rein und wenn das seeseitig in Lee ist, ist diese Position sogar gefährlich. Wir haben im Seegang lange daran geübt. Irgendeinem, der körperlich fit war, gelang es nach mehreren Anläufen und wenn erst einer in der Insel war, konnte er den nachfolgenden helfen, dabei war die Leiter dann ziemlich egal. Klar war das der Effekt, der demonstriert werden sollte, aber das Ergebnis hat alle überzeugt.*)
    Übertragen auf eine Yacht, z. B. eine moderne Yacht mit flachen U-Spant, ergibt sich mit einer Strickleiter tendenziell das gleiche Problem. Wenn hier schon (zu Recht) davor gewarnt wird, dass man im Seegang nicht unter den Rumpf geraten sollte (ob am Heck oder seitlich in Lee), dann ist es ausgerechnet eine Strickleiter als Einstieghilfe, die dieses Risiko tendenziell noch erhöht. Also so etwas lieber nicht auf einer Yacht. Aber muss ich das wirklich wortreich erläutern - darauf kommt man doch auch von allein, oder?

    Gruß
    Andreas

    *) und wenn man sich jetzt fragt, warum heute nicht alle Rettungsinseln mit einer zu öffnenden Pforte ausgestattet sind: das weiß ich nicht, aber die Konstruktion hatte auch einen Nachteil: es war quasi nicht zu vermeiden, darin permanent im Wasser zu sitzen. Ausschöpfen oder halbwegs trocken halten aussichtslos. Bei niedrigen Wassertemperaturen auch nicht schön


  • Was ich überlegt habe ist die Art, wie die Klappleiter gesichert ist. Die kann man - so wie das aktuell ist - nicht aus dem Wasser geraus runterklappen.
    Da müsste man ggf. den Sicherungsstropp teilen - unten an der Leiter den Stropp teilen und mit einem Knoten verbinden. Dann könnte man die Leiter von oben und von unten lösen...

    Unsere ist hoch geklappt und mit einem webeleinstek auf slip befestigt, der bis knapp an die Wasseroberfläche reicht. Ein Ruck und die Leiter klappt runter.