Seenotfall vor Niendorf

  • Sind doch ganz gute Schlüsse für einen selbst in der Diskussion zusammengekommen.

    -Motor und Tankkontrolle

    -Segel klar haben

    -Situation mal im Kopf durchspielen

    Dann wird man wahrscheinlich auch auf die Idee kommen, das Werkzeug für die Beseitigung einer Verstopfung des Seewasserkreislaufs der Kühlung greifbar zu haben.

    Ob man wirklich unter Segeln anlegen muss oder es reicht eine Leine über eine Pfahl zu werfen und da dann erstmal Ruhe ins Schiff zu bekommen, kann man sich auch überlegen.

    Trotzdem wissen die meisten von uns nicht, wie gut sie funktionieren, wenn das Gefühl von Lebensgefahr aufkommt.

    Die Retter sagen übrigens, dass sie sehr viel lieber zu früh als zu spät kommen.

  • Ich kann schon verstehen warum die lieber nach der Seenot Rettung gerufen haben anstatt selbst zu hantieren. Bei dem Boot könnte es sich um eine Neptune handeln 31 oder 32 , das ist nicht gerade ein super Segelwunder, hinzu sind die Boote alle recht alt vielleicht war es die Besatzung ja auch und da war nur mit Vorsegel das ganze einfach nicht mehr sicher zu handeln. Da war auch wahrscheinlich der Punkt off no return überschritten, heißt nur mit Segel hätte es auch schief gehen können bis der Kahn genug Fahrt aufgenommen hat um sicher steuerbar zu sein und ich glaube eine Neptun wenn es eine ist, ist nicht gekannt dafür schnell an zu springen. Ich kann mich jedenfalls nicht erinnern das eine solche für große Regattaerfolge bekannt wäre. Deswegen so Sprüche wie die beherrschen ihr Sportgerät nicht , sind ziemlich daneben.

  • welches Wekzeug ist das?

    Also man sollte seinen Seewasserfilter öffnen können. Das kann ganz schön schwer gehen.

    Man sollte seine Schläuche lösen können. Man sollte etwas stochern können, um Fremdkörper aus dem Ansaugbereich entfernen zu können.

    Auf einem Charterschiff hatte das Seeventil einen 90Grad Winkel, ziemlich ätzend. Da hat Wasser in den Seewasserfilter kippen gereicht, um eine Rückspülung zu erreichen.

    Details werden sich unterscheiden, an Tips zu Saildrives bin ich durchaus interessiert.


    Thema Impellerwechsel ist dann noch ein eigenes.

  • plötzlich ein Notruf die Fock würde sich nicht mehr einrollen lassen.

    Ist mir auch schon passiert, nachts um drei vor Damp nach einer sehr stürmischen Überfahrt: Mehrere Überläufer in der Refftrommel. Also Fall von der Klampe und den Lappen aus der Keep gezogen und an der Reling festgebändselt.

    Gruß, Klaus

  • Also Fall von der Klampe und den Lappen aus der Keep gezogen und an der Reling festgebändselt.

    Off-Topic


    Ich glaube vielen ist gar nicht mehr bewusst, dass es sich bei Rollsegeln immer noch um Segel handelt, die man ein und ausziehen kann.


    So oft habe ich mittlerweile gehört: Meine Fallen fasse ich nicht an, die sind gesetzt vom Segelmacher und das passt so.


    Ich weiß nicht, wer seine Segel alles selber setzt (in die Rollanlage) aber ich nehme das vermehrt als Dienstleistung wahr.


    Letztlich kann man immer nur wieder empfehlen: Sicherheit ist eine Trainingsfrage und kann Spaß machen.


    Ich wurde schon oft belächelt mit meinen Mannschaften, wenn wir bei gar keinem Wind Stunden benötigt haben aus einer Box heraus oder hinein zu fahren, weil wir es mit zig Leinen abgesichert haben, uns über die Mittelklampe verholt haben etc.


    Uns hat das bislang immer sehr viel Spaß bereitet, in einer kontrollierten Umgebung einfach mal probieren zu können, was so alles geht und wie sich das Material verhält.


    Dazu gehört für mich auch, einfach mal das Segel abzunehmen, den Mast zu erklimmen, oben nach dem Rechten zu schauen, die einzelnen Bauteile anzufassen und zu wissen, wie alles zusammenspielt.


    Als Rat aus vielen Trainings, einfach mal mit dem Boot spielen :smiling_face:

  • Ggf. gibt es eine gewisse Tendenz zu ahnungslosen Segelanfängern,

    Viel spannender finde ich die Frage, woher Segelanfänger die hier im Forum oft vorausgesetzte Erfahrung haben sollten.

    Mit der Erfahrung wären es IMHO keine Anfänger mehr.


    Frage für einen Freund.


    Gruß Ralf C.

    Laminare necesse est

    .

  • Hier mal die Meldung der DGzRS zu dem Vorfall, die Siutation war wohl an einem Punkt angekommen der durchaus bedrohlich für die beiden Segler war und somit gut dass die DGzRS und die Feuerwehr schnell vor Ort waren.


    Seenotretter befreien zwei Menschen auf Segelboot vor Niendorf aus Lebensgefahr
    Ein Seglerpaar in der Lübecker Bucht verdankt seine Rettung aus Lebensgefahr den freiwilligen Seenotrettern der Station Travemünde. Sein Segelboot war in eine…
    www.seenotretter.de


    Anbei auch noch die Winddaten zu der Zeit und die Hafeneinfahrt. Auch wenn der Wind stark auffrischte sollte es bei dem Dreher auf Nord möglich gewesen sein mit der Fock in den Hafen zu segeln und hinten im Kommunalhafen am Kai längsseits festzumachen. In Legerwall in der Brandungszone mit dem Kiel dauern auf Grund zu schlagen ist m.E. deutlich gefährlicher als im Hafen ein verkorkster Anleger unter Segeln (der zudem auch hätte klappen können)

  • Viel spannender finde ich die Frage, woher Segelanfänger die hier im Forum oft vorausgesetzte Erfahrung haben sollten.

    Mit der Erfahrung wären es IMHO keine Anfänger mehr.

    ... jetzt sind wir doch wieder beim Lernen auf der Jolle ...

    Was ich selbst nicht für nötig halte, es darf auch ein kleiner Pocketcruiser sein. Aber die grundlegende Physik nicht nur abstrakt zu begreifen, sondern auch körperlich zu erfahren und zu erproben, macht schon Sinn. Würdest du - falls vorhanden - deinen Kindern dazu raten, die ersten Autofahrerfahrungen nach dem Führerschein mit einem Lambo oder (alter Führerschein 3) einem 7.5tonner mit Anhänger zu machen?

    Und wenn die Mechanik (und die ist es bei der Rollfock) nicht transparent ist (und die Trommeln sind nicht aus Acryl), dann muss ich mich halt vorher eingehender damit beschäftigen, bis ich es verstanden habe. Oder nur auf geschützten Gewässern herum fahren. Legerwall auf der Ostsee zählt nicht dazu.


    Hier ist alles gut abgegangen, das ist das Wichtigste. Aber Gedanken um das Lernen darf man sich trotzdem machen.


    P.S.: Ich habe auch schon genug Scheiß aus Fehleinschätzungen heraus gebaut. Glücklicherweise ohne richtige Probleme. Meine Gedanken hier sind auch Resultat des eigenen Lernens.

  • Schau Dir mal den alten Thread zum Seeunfall im Seegatt an. Da wurde das auch schon ausgiebig diskutiert.


    Am Ende ist es doch immer die Frage wie Anfänger grundsätzlich vorgehen: Im Sinne von "wird schon, auf youtube können die das auch alle" oder im Sinne von herantasten und mit erfahreneren Seglern sprechen. Die individuelle Strategie wird irgendwo zwischen diesen beiden Extremen liegen.

  • Einige Anmerkungen anlässlich dieser Geschichte. Zu wenige Segler üben klassische Segelmanöver, wie da wären Beidrehen, Aufschiesser an den Pfahl. Zu viele fahren nur unter Fock, haben das Gross nicht klar. Besser nur unter Gross, man kommt so besser an den Wind. Zu oft ist das Schiff zu gross für die ältere Zweiercrew, was bedeutet, sie ist von der Technik abhängig. Klemmende Rollanlage wird zur Katastrophe, da niemand eine 40 er Genua vorne bändigt beim Bergen aus der Keep raus. Motorausfall oder Versagen des Bugstrahlers führt zu Bruch oder mehr. Zu oft führen unvorhergesehene Situationen zu Panik und Lähmung, weil es keinen Plan im Kopf gibt, was man nun machen kann um das Schlimmste zu verhindern.

  • ... Das Groß hingegen ist von einer Persenning geschützt, nicht einem Lazy-Bag. Es ist kaum anzunehmen das diese bei Seegang vor dem Hafen aufgezogen wurde. ...

    So etwas finde ich keine gute Seemannschaft, weil man sich damit eben die Möglichkeit nimmt, schnell das Groß oben zu haben und so unter Segeln voll manövrierfähig zu sein. Die wenigstens Boote können nur unter Vorsegel kreuzen.

    Ich finde es generell erstaunlich, wie sehr ein Motor bzw. dessen Funktionieren als selbstverständlich hingenommen wird und ein Ausfall dann schnell zu echten Problemen führt...

  • Du hast Recht, Odysseus. Aber deren Installationen sind aufwändiger, Doppelfilter, umschaltbar, ggf zwei Motoren, gewartete Tanks etc.

    Und der Motorbootfahrer beschäftigt sich auch mehr mit seiner Technik. Er hat nur diese.

  • Du hast Recht, Odysseus. Aber deren Installationen sind aufwändiger, Doppelfilter, umschaltbar, ggf zwei Motoren, gewartete Tanks etc.

    Und der Motorbootfahrer beschäftigt sich auch mehr mit seiner Technik. Er hat nur diese.

    Nicht zuletzt verbraucht er auch mehr Diesel, da ist Dieselpest auch nicht so das Problem.

    Ein Freund ist, wer Dich für gutes Schwimmen lobt, nachdem Du beim segeln gekentert bist.

  • Ach ja, immer diese unerfahrenen Segelanfänger, die total überfordert sind, Situationen falsch einschätzen und nix so richtig können.....


    Bei mir war das ganz anders. Ich bin eines morgens wach geworden und, was soll ich sagen, ich war über Nacht ein Segelprofi geworden. Ich kannte alle Tricks, Kniffe und wusste ich würde immer in jedem Moment die richtige Entscheidung treffen. Das hat mich so von mir selbst begeistert, dass ich noch am gleichen Tag loszog mir meine erste Yacht zu kaufen. Das war vor 25 Jahren und selbstverständlich habe ich seit dem immer alles richtig gemacht. Missgeschicke sind mir fremd, das Wort Überforderung kannte ich gar nicht, musste ich im Lexikon nachschlagen. Anlegemanöver fahre ich nur noch mit verbundenen Augen weil ich die Herausforderung liebe. Und ich schäme mich nicht es zu sagen, Hafenmeister sprechen meinen Namen voller Ehrfurcht aus.......

  • Was mich immer wundert: Viele Segler schlagen schon vorm Hafen die Großsegelpersenning an und nehmen die Fockschoten ab.

    ..........und viele MOBO-Fahrer fangen damit erst gar nicht an.


    Gruß Klaus

    Ab Windstärke zwölf gibt es keinen Atheisten mehr.( Helmut Gollwitzer)

  • Es sollte sich (wieder) etablieren, den Motor eines Segelbootes "Hilfsmaschine" zu nennen.

    (Stattdessen scheint es für einige der Hauptantrieb zu sein...)

    Umgedreht wird ein Schuh draus.


    Oder warum müssen Traditionssegeler einen Motor haben?


    Gruß Klaus

    Ab Windstärke zwölf gibt es keinen Atheisten mehr.( Helmut Gollwitzer)

  • Weil es die alten Häfen, die für Segelschiffe (nicht: Boote) geeignet waren, nicht mehr gibt. Aber sie müssen ja nicht, es sei denn, es sind im rechtlichen Sinn BG-abgenomme Traditionssegler. (Und auch da bin ich mir nicht sicher.) Der 12er Anita lief lange, lange Zeit als 20m-Boot ohne Hilfsantrieb.