Frachtsegler "De Gallant" vor den Bahamas gesunken, 2 Seglerinnen vermisst

  • Ich als Segel-Anfänger war naiverweise davon ausgegangen, dass ein größeres Schiff bei Gewitter und Stürmen auch mehr Sicherheit bietet. Ich war schon kurz davor, eine Atlantik-Überquerung mit so einem größeren Frachtsegler anzutreten - Corona hatte damals einen Strich durch die Rechnung gemacht. Dass aber ein solches Schiff in einem Sturm kentert und anschließend sinkt, überrascht und ängstigt mich nun doch ziemlich. Hoffentlich werden die zwei Vermissten noch gefunden. Wie schätzen die erfahreneren Segler die Gefahrenlage ein: Atlantiküberquerung auf einem GFK-Boot (im Rahmen von z.B. einer ARC) gegenüber einem großen, aber alten, Frachtsegler?

  • Beides sicher. Es sind jeden Moment tausende von Seglern da draußen unterwegs, ab und an hört man mal von einem Unfall/Untergang und das geht dann durch die Presse.


    Vermutlich ist statistisch die Gefahr im Auto bei der Fahrt zum Einkauf tausendmal höher.

    (Trotzdem ist ein verantwortungsvoller Skipper und eine ordentliche Wartung und Sicherheitsausrüstung ein Zeichen dass man auf dem richtigen Schiff anheuert und minimiert die Gefahr noch weiter dass etwas passiert.)

  • Naja, nicht ganz. Bei der arc gibt es doch meistens auch ein Toter. Bei meiner Saison hat zB einer einen so starken schadel Bruch, dass er dass der Segler dann gestorben ist. Solche Sachen passieren halt schon...

  • dass ein größeres Schiff bei Gewitter und Stürmen auch mehr Sicherheit bietet.

    Das tut es auch. Risiken bestehen trotzdem, sind aber mit zunehmender Größe etwas anders gelagert.


    Anhand der Beschreibung kann mansich das an 5 Fingern abzählen, was passiert ist. Bei einem tropischen Gewittersturm kommt zu dem Sturm selbst der Druck des Regens dazu. Das ist kein saarländischer Starkregen, sondern ein Wasserfall, der mit +/- 60° aus 10ooo m hohen Wolken herabfällt. Für ein Gewitter das sich aus Aufwinden der innertropischen Konvergenzzone speist, ist Barbados etwas weit weg von der Küste, würde ich mal so aus der Hüfte geschossen sagen. Die Ostküstensegler und Karbikcharterer hier im Forum wissen das sicher besser.


    Zu den 1000en, aber1000 und zig1000: Ein durchschnittlicher Supermarkt hat 1000 Kunden pro Tag. Wenn in einer durchschnittlichen Kleinstadt mit 5 Supermärkten alle paar Wochen einer auf der Fahrt von oder zum Supermarkt stirbt, würde man sich aber fragen, ob das Verkehrskonzept optimal ist.

    Ich würde sagen, da ist früher selbst die wochenendliche NATO-Rallye noch sicherer gewesen.

  • Ohaoha!


    Also ich kenne das Schiff noch als "Gertrud". Damals noch ein Dänischer Coaster und kann mich auch an den Umbau zum Charterschiff gut erinnern...

    Das war mal ein Heringslogger und hat in der Zeit als Berufsfischer ganz anderes Wetter erlebt...

    Da ist mir jetzt nicht so klar was da genau passiert ist!?


    Übergegangene Ladung ist ja schlimm aber die hatten ein paar Säcke Kakao und Melasse geladen...ob da 30 Tonnen mehr oder weniger drin sind ist dem Boot doch völlig wumpe (also ich habe einen Logger gefahren der hatte zwei Tanks mit jeweils 15 Tonnen Kraftstoff - das hat man nicht gemerkt ob das voll oder leer war!).

    Ich kenne das Boot ganz gut (war zur Kieler Woche ein paarmal drauf) und bin sehr erschüttert und traurig!


    Das ist allerdings nur meine Meinung

    dschunkie

  • Es ging auch damals bei der Pamir, die hier ja auch benannt wurde nicht um das Ladungsgewicht, sondern dass dies verrutscht war, und das hat insgesamt schon ganz schön Auswirkungen auf so ein Schiff. Die Offiziere bei Berufsschiffen prüfen auch an jeder Kaimauer die Skalen am Rumpf um händisch nochmal zu kontrollieren, ob das Schiff gerade im Wasser liegt, damit es bei Wellengang nicht mit Schlagseite auf einer Seite tiefer eintaucht und schlingert und ggf. sogar an Landungspforten Wasser eindringt.


    In diesem Artikel gibt es keine Information, was passiert ist. Es kommt also alles in Frage, was ein Schiff gängigerweise zum Sinken bringen kann. Es ist irgendwie obsolet, darüber zu spekulieren...

  • Es sind jeden Moment tausende von Seglern da draußen unterwegs, ab und an hört man mal von einem Unfall/Untergang und das geht dann durch die Presse.

    Hinzu kommen diejenigen, die keine Angehörigen haben, von niemandem vermisst werden oder deren Angehörige keine Nachricht daraus machen. Es gibt ja nicht nur Weltumsegler mit gut ausgerüstetem Boot und Segelerfahrung, kommunikativ vernetzt und mit mehrköpfiger Crew, sondern auch enthusiastische Aussteiger, Paradiesvögel, maritime Einsiedler, naive Selbstbau-Freaks. Ich glaube - und irgendwo hatte ich mal einen Artikel darüber gelesen - , dass die Zahl derer, die irgendwo mal ablegen und dann unbemerkt wegbleiben, gar nicht so sehr klein ist.

    Edit: ... als gar nicht so klein vermutet wird. Wirklich wissen kann's ja niemand.

  • Das wäre wirklich mal eine interessante Zahl, die aber fast nicht belastbar zu eruieren ist ....

    beste Grüße

    Dieter

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  • Das wäre wirklich mal eine interessante Zahl, die aber fast nicht belastbar zu eruieren ist ....

    beste Grüße

    Dieter

    Die Anzahl der Totalverluste Schiffe gibt es als Statistik, Das waren mal um 2010 150 pro Jahr heute unter 50.


    Meine 2 cent, der Segler war nicht als hochseefähiger Frachtsegler konstruiert sondern wurde als solcher umgebaut. Mich würde interessieren als was der Segler in Vanatu zugelassen war. Wirklich als Frachter der die SOLAS Bestimmungen erfüllt?

  • Du meinst sicher diese Statistik, die in der Tat einen sehr erfreulichen Trend hat:


    Gesunkene Schiffe weltweit bis 2022 | Statista
    Diese Statistik zeigt die Anzahl der weltweiten Verluste von Schiffen von 2005 bis 2022.
    de.statista.com


    aber mir ging es mehr um den einsamen Solo Atlantik Überquerer, der in seinem Ruderboot in See sticht und nie ankommt ... und ziemlich sicher in der obigen Statistik nicht enthalten ist.


    beste Grüße

    Dieter

  • Bei solchen Unternehmungenkn kommen ja noch die Risiken dazu, die man immer hat, wenn man den Wirkungsbereich der Zivilisation verlässt. Einen Schlaganfall z.B. Um den typischen Langfahrtsegler, Ex-Raucher, Ü60, Cholisterinspiegel erhöht, Quartalssäufer, ... steht es nicht zum Besten.


    Ob das heute verbreitete "fly by wire" eigene Risiken birgt, ob das vlt. auch dem ehemaligen Fischerboot den Garaus gemacht hat (?) Es ist immerhin ein Delegieren.