Skipperhaftpflicht für Charterer

  • Hallo Community


    Hier mal eine Frage aus Sicht eines relativ unerfahrenen Urlaubscharterers:

    Ich habe Im Herbst eine Woche eine Yacht gebucht bei einem großen Vercharterer ( Pitter ) in Kroatien.


    Mir wurde von Pitter der Abschluss einer Skipperhaftpflicht empfohlen. Diese soll Schäden abdecken, die ich an anderen Schiffen verursache,

    z.B. Gelcoat zerkratzen bei einem misslungenem Anlegemanöver.


    Wie sehen das die erfahrenen Charterer ?


    - Notwendigkeit ?

    - gute Anbieter ?

    - Kosten ?

    - Worauf ist zu achten bei einem Vertragsabschluss ? Kleingedrucktes ?



    Danke für Eure Hilfe

  • Gelcoat zerkratzen etc…. ist Kautionsversicherung oder Bordkasse


    Skipperhaftpflicht deckt Dein persönliches Risiko wenn Du das Boot grob Fahrlässig beschädigst oder versenkst (oder Personenschäden verursachst) Der Eigentümer wird in solch einem Fall Deiner groben Fahrlässigkeit zwar üblicherweise entschädigt, aber die Versicherung kann Regress gegen Dich nehmen und Du haftest dann mit Deinem Privatvermögen


    Die Hürde zur groben Fahrlässigkeit ist auch nicht so hoch.


    p.s. Schäden an anderen Booten fällt unter die normale Bootshaftpflichtversicherung die sowieso vorhanden sein sollte

  • Der wichtigere Teil einer Skipperhaftpflicht sind wohl die Personen an Bord. Für die Mitfahrenden werden 'Schäden' durch die Skipperhaftpflicht reguliert.

    Dazu kommen solche Sachen wie Kautionshinterlegung bei Schäden, Deckungsprobleme durch (wie schon von Tamako geschrieben) Grobe Fahrlässigkeit, aber auch Bergungskosten, die von der Bootskasko nicht getragen werden.

    Die Skipperhaftpflicht kostet üblicherweise so ab 50€ für 2 Wochen - oder unter 200€ / Jahr (bei Booten bis 15m) - im Vergleich zu den anderen Kosten bei einem Bootscharter unbedingt zu empfehlen.

  • Ich würde auch die Skipperhaftpflicht immer empfehlen, alleine schon, weil man im Zweifelsfall gar nicht weiß, was auf einen zukommen kann.


    Die Kosten für diese Versicherung genauso behandeln wie die Kautionsversicherung - nämlich durch die Bordkasse.


    Das ist dann für alle sehr überschaubar und rechtliches Risiko (etwas) minimiert.


    Wenn Du häufiger im Jahr charterst, gibt es z.B, bei POOL Yachts eine Kautions und Skipperversicherung, die dann ganzjährig immer wieder gilt.


    Ich hatte die über mehrere Jahre und war mit dem Preis und den Leistungen fein.


    Bei einem Schaden, haben sie alles mit dem Vercharterer geklärt, ohne, dass ich mich kümmern musste.


    LG Tom

  • Häufig ist mit der Skipperhaftpflicht auch der Charter-Folgeschaden versichert. Den zahlt nämlich keine Haftpflicht oder Kasko.


    Haftest du für einen größeren Schaden (z.B. von dir verursachte Grundberührung oder Schaden im Rumpf nach Kollision, aber auch durch einen anderen Skipper verursachter Kollisionsschaden an deinem Charter-Boot, z.B. weil dessen Gaszug gerissen ist) und das Boot muss einige Wochen in die Werft, musst du die dadurch ausgefallenen Chartereinnahmen bezahlen. Das sind schnell >10.000 €, auf denen du sonst sitzen bleibst.

  • Häufig ist mit der Skipperhaftpflicht auch der Charter-Folgeschaden versichert.

    Ist das so? Als ich (schon eine Zeit her, 2015) bei Yachtpool eine Skipperhaftpflichtversicherung abgeschlossen habe, hätte man Charter-Folgeschaden separat versichern müssen.

    Trotzdem ist die Skipperhaftpflicht gerade bei Charter im Ausland dringend zu empfehlen. Die Prämien sind überschaubar und die Deckungslücken in den Versicherungen, die der Vercharterer abgeschlossen hat, oft enorm und unüberschaubar - insbesondere beim Vorwurf der groben Fahrlässigkeit. Zudem fungiert die Skipperhaftpflicht quasi automatisch als passive Rechtsschutzversicherung, da sie auch die Abwehr unberechtigter Ansprüche, für die sie sonst leisten müsste, übernimmt.

    Fazit: Ja, abschließen!

  • Bei Schomacker ist die drin, zumindest verstehe ich "Ansprüche des Eigners über Ausfall von Chartereinnahmen infolge verschuldeten Yachtgroßschadens bis EUR 25.000,00" so.

    Wie gesagt, ich bezog mich auf Yachtpool und wollte darauf hinweisen, dass das keine Selbstverständlichkeit ist und man sich das im einzelnen ansehen muss.

  • Kann mich meinen Vorschreibern nur anschließen.

    Ich chartere so 1-3 mal im Jahr und habe eine laufende Kautions- und Skipperhaftpflicht in Kombination abgeschlossen. Die Jährliche Prämie ist überschaubar und ich steige beruhigter aufs Boot.

    Die Skipperhaftpflicht deckt eben auch Personenschäden ab, was ich besonders wichtig finde, wenn ich mal familienferne Crewmitglieder an Bord habe, die, bzw. deren Kranken- oder Unfallversicherung im Schadenfall Ansprüche an mich haben könnten.

    Gruß Jörg :winken:

  • Genauso mache ich es auch seit langem.

    Skipperhaftpflicht ist durchaus bezahlbar selbst bei nur wenigen Mitseglern. Habe ich bisher Gott sei dank noch nie gebraucht, aber im Freundeskreis schon erlebt, wie schnell einem Hobbyskipper Fahrlässigkeit nachgewiesen werden kann. Beim Personenschaden wird das schnell teuer. Kautionsversicherung ist schon teurer, die musste ich aber auch schon einmal nutzen (zerissenes Achterliek einer im Gewitter aufgedrehten Rollfock). In Summe sind das bei mir rund 40-50 EUR / Mitsegler / Törn, was ich für vertretbar halte.

    Früher habe ich alles über Schomacker gemacht, die auch anstandslos reguliert haben. Inzwischen sind die aber gerade bei der Kautionsversicherung sehr teuer geworden. Haftpflicht (Jahresvertrg) bei EIS, Kaution zuletzt bei Wehring & Wolfes (hier kann es sich lohnen, beim Vercharterer nach einer geringen Kaution zu fragen, da ab 3000 EUR Kaution die Prämiensprünge erheblich.


    Flo

  • Ein Tip am Rande,


    ich hab mein Boot bei Panthenius versichert, dort habe ich dann für eine Charter eine Skipperhaftpflicht angefragt.

    Die Aussage war bei meiner Bootsversicherung ist eine Skipperhaftpflicht für Urlaubstörn mit dabei.


    Ohne würde ich aus oben genannten Gründen nicht losfahren.




    LG

  • Kautionsversicherung ist schon teurer, die musste ich aber auch schon einmal nutzen (zerissenes Achterliek einer im Gewitter aufgedrehten Rollfock). In Summe sind das bei mir rund 40-50 EUR / Mitsegler / Törn, was ich für vertretbar halte.

    Nicht selten gibt es auch die Möglichkeit, für einen Törn direkt beim Vercharterer die Kautionsversicherung abzuschließen. Vorteil: Da der Vercharterer ohnehin bei Schäden keine Ansprüche mehr gegen den Charterer hat, erübrigt sich jegliche Diskussion bei der Bootsrückgabe.

  • Nicht selten gibt es auch die Möglichkeit, für einen Törn direkt beim Vercharterer die Kautionsversicherung abzuschließen. Vorteil: Da der Vercharterer ohnehin bei Schäden keine Ansprüche mehr gegen den Charterer hat, erübrigt sich jegliche Diskussion bei der Bootsrückgabe.

    Das ist meist die teuerste Variante und die Kautionsversicherungen sind in Relation zur Versicherungsleistung auch so schon recht teuer.

  • Das ist meist die teuerste Variante

    Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich das nie hinterfragt habe. Ging halt immer aus der Bordkasse, in die ich nicht eingezahlt habe. Wenn man aber den eventuellen Mehrpreis, den man beim Vercharterer zahlt, gegen den Zirkus aufrechnet, den man damit hat, bei der Bootsrückgabe jede Kleinigkeit in Rechnung gestellt zu bekommen und sich dann im Anschluss das Geld vom Versicherer zurückzuholen, mit dem Rest der Crew abzurechnen etc... Muss jeder für sich entscheiden.

  • ... gegen den Zirkus aufrechnet, den man damit hat, bei der Bootsrückgabe jede Kleinigkeit in Rechnung gestellt zu bekommen ..

    Dann hat man sich nach meiner Einschätzung den falschen Vercharterer ausgesucht. Ich hatte zu Charterzeiten nie Zirkus bei der Rückgabe, selbst wenn mal was kaputtgegangen ist - vielleicht war das auch nur Glück.

  • Grundsätzlich ist eine Skipperhaftpflicht eine gute Idee für Charter, aus den schon zuvor genannten Gründen :


    - Deckung gegen an der eigenen Crew verursachten Schäden

    - Deckung bei grober Fahrlässigkeit

    - Deckung bei Charterausfall


    Trotzdem wurden hier ein paar Dinge wild durcheinander geworfen, die so nicht ganz passen.


    In der Regel wird der Vercharterer sowohl eine Kaskoversicherung (die Kaution entspricht üblicherweise der Höhe deren Selbstbeteiligung) als auch eine Haftpflichtversicherung (ohne die bekommt er in keiner Marina einen Liegeplatz, jedendalls nicht im Mittelmeer) abgeschlossen haben.


    Die Schiffshaftpflicht zahlt an den geschädigten wenn du ein anderes Schiff schuldhaft beschädigst, allerdings i.d.R. nur bis zu einfachen Fahrlässigkeit. Bei grober Fahrlässigkeit müsstest du ohne Skipperhaftpflicht selbst zahlen.

    Sie wird meist auch nicht bei Schäden im Innenverhältnis zahlen, also gegen die eigene Crew. Dafür ist wieder die Skipperhaftpflicht da.


    Achtung: Wenn du unverschuldet ein anderes Schiff beschädigst, zahlt keine Haftpflichtversicherung und du auch nicht. Das ist dann ein Problem der hoffentlich vorhandenen Kasko des Geschädigten. Ob ein Verschulden vorliegt oder nicht wird ggfs. vor Gericht entschieden werden müssen.


    Die Skipperhaftpflicht zahlt normalerweise nicht für Schäden, die du an der gecharterten Yacht verursachst. Dafür ist die Schiffskasko da und eure Kaution. Ausnahme ist Ausfall des Schiffes durch eure Aktivitäten. Da springt die Skipperhaftpflicht wieder ein.


    Alles in allem also schon recht sinnvoll eine abzuschließen.

  • Moin,
    großteils kann ich mich MichaelK anschließen.
    Ein paar Details, auch in Bezug auf die vorherigen Beiträge:
    - einer schrieb, bzgl. der Kosten habe er sich keine Gedanken gemacht, denn die Zahlt die Crew mit der Bordkasse, von der er ausgenommen sei. Mein Kommentar: studiert die AGB, denn bei etwa Yachtpool steht (glaube in allen unterschiedlichen Versicherungen), dass die Versicherung nicht in Leistung tritt, wenn der Skipper "geldwerten Vorteil" hat. Keine Bordkasse ist sicher ein geldwerter Vorteil. Bei etwa EIS steht etwa: wenn der Skipper bezahlt wird. Das ist schon was Anderes.
    - Charterausfall ist bei Yachtpool mit zusätzlicher Police zu versichern, bei EIS inkludiert. Bei beiden aber die ersten Tage nicht bzw. eine relativ hohe Selbstbeteiligung.
    - Bei den meisten Skipperhaftpflicht- Versicherungen ist auch "grobe Fahrlässigkeit" (nicht aber Vorsatz, was aber dicht daneben liegt) abgedeckt. Jedoch mit z.B. 2000€ Selbstbehalt. Soll greifen, wenn die Yachthaftplicht nicht zahlen will.
    - ACHTUNG (gehört hier nur bedingt hin): fragt nach dem Selbstbehalt der Haftpflichtversicherung der Yacht. Vor 2 Jahren ein Bekannter hat nach slippendem Anker eine andere Yacht beschädigt. Selbst kein Schaden. Kiriaculous hat dann gesagt, Kaution wird einbehalten, da der Selbstbezahlt der Yachthaftplicht 2000.- sei. Der Bekannte fühle sich bei Yachtpool mit Skipperhaftpflicht und Kautionsversicherung gut abgesichert. Yachtpool hat sich dann geweigert - Details weiß ich leider nicht -. Tatsächlich hat dann die private Haftplicht des Bekannten dann - aus Kulanz - den Schaden beglichen.


    Wichtig bei der Auswahl natürlich, ob ein einzelner Törn, oder alle Törns des Jahres abgedeckt sein soll. Meist lohnt sich die Jahresversicherung bei zwei Törns schon.

    Gruß bauruine

  • - einer schrieb, bzgl. der Kosten habe er sich keine Gedanken gemacht, denn die Zahlt die Crew mit der Bordkasse, von der er ausgenommen sei. Mein Kommentar: studiert die AGB, denn bei etwa Yachtpool steht (glaube in allen unterschiedlichen Versicherungen), dass die Versicherung nicht in Leistung tritt, wenn der Skipper "geldwerten Vorteil" hat. Keine Bordkasse ist sicher ein geldwerter Vorteil. Bei etwa EIS steht etwa: wenn der Skipper bezahlt wird. Das ist schon was Anderes.

    Der "eine" war zur der Zeit so rd. 6 Wochen im Jahr als bezahlter Skipper für ein deutsches Kojencharter-Unternehmen unterwegs und die Skipperhaftpflicht war explizit dafür abgeschlossen und so stand das auch in der Police, in dem Fall also alles im Lack.


    Grundsätzlich aber hast Du vollkommen Recht. Die "normalen" Skipperhaftpflichtpolicen sind für rein privates Vergnügen und jede Versicherung wird natürlich dankend auf die Versicherungsbedingungen verweisen, wenn sich nach einem Schaden herausstellt, dass der Versicherungsnehmer auch nur ansatzweise gewerblich unterwegs war.


    Yachtpool hat sich dann geweigert - Details weiß ich leider nicht

    Schade. Es wäre natürlich gerade im Rahmen dieser Diskussion hochinteressant zu wissen, warum Yachtpool sich geweigert hat, zu zahlen. Meinst Du, Du könntest Deinen Bekannten danach fragen?

  • OK gut. Wie ist es eigentlich, wenn ich mit meinem eigenen Boot einen Freund mitnehme? Ohne dass Geld fließt? Er hat selber alle Scheine.

    Sind wir da irgendwie gegenseitig füreinander haftbar?

  • Sofern ihr untereinander keinen Haftungsausschluß vereinbart (ACHTUNG: Formularmäßige Vereinbarungen sind nichtig, es muss ein individueller Text sein!), haftet ihr untereinander. Ob und welche Scheine deine Crew hat, ist irrelevant. Das könnte allenfalls vor Gericht eine Rolle spielen, ob ein geschädigter Scheininhaber bestimmte Dinge, über die du ihn nicht explizit aufgeklärt hast, hätte wissen müssen und dich damit etwas entlastet.


    Es kann sein, dass deine Schiffshaftpflicht Schäden, die du Crewmitgliedern in deiner Eigenschaft als Skipper verursachst, abdeckt. Ich hatte mir das mal von meiner Versicherung bestätigen lassen.

    Das müsstest du bei deiner mal anfragen.