Posts by seppwabala

    Tatsächlich finde ich es sehr erstaunlich, dass es für den Fall "POB unter Leichtwindsegel" offensichtlich keinerlei Standardmanöver gibt, Gerade für Notfälle braucht es doch ein klares, trainiertes Playbook, um die Schritte zielsicher auszuführen - es bleibt noch viel genug übrig an Anweichungen, die einen zur Improvisation zwingen. Jeder Segler hat doch wohl ein MOB-Manöver (unter Normalbesegelung) parat, das man sofort im Schlaf runterfahren könnte.

    Danke, Tamako für Deine nachvollziehbaren Gründe.

    Sobald der Sichtkontakt verloren ist, mache ich mich von mehreren aktiven Systemen abhängig, die dann im Ernstfall alle funktionieren müssen: MOB AIS an der POB, AIS Empfang auf dem Schiff. Und als Charterkunde habe ich meist kein AIS auf dem Schiff, plus die hohen Kosten für die MOB AIS pro Crew.


    Sprich: Solange das Schiff in der Nähe bleibt - und Sichtkontakt herrscht, ist keine Eile notwendig.

    seppwabala warum so kompliziert ? Abfallen und im Lee vom Groß den Bergeschlauch über den Genni ziehen dauert auch nur 1 - 2 Minuten. Du bleibst dabei Manövrierfähig und kannst sicher zum MOB fahren

    Die 1-2 Minuten fährst Du weg vom MOB, d.h. 150m bis 300m zusätzliche Entfernung bei 5kN Fahrt. Damit ist der Sichtkontakt mit hoher Wahrscheinlichkeit vorbei.


    Plus: Eigene positive Erfahrung mit echtem POB unter ganz wenig Wind, siehe oben.

    Wegen der geschilderten Erfahrungen mit "Gennifall ausrauschen lassen" (hier und dort) möchte gern noch folgende Untervariante der Variante 1 diskutieren.

    Auch hier übergeordnetes Ziel, möglichst nah am POB zu bleiben:


    Variante 10 - mit übergeordetem Ziel "Möglichst schnell zurück zur POB":

    -10a Ort markieren

    -10b Unmittelbar in den Wind luven, und gleichzeitig

    -10c Genni/Spifall und Halsleine ausrauschen lassen (damit sich ja keine Blase im Wasser bilden kann)

    -10d Großsegel etwas dicht, AP auf Hart-am-Wind (wenig Fahrt durchs Wasser)

    -10e Genni/Spi an Bord bringen ODER Schot auch noch lösen (evtl.. dabei sogar noch den Kugelfender dranbinden für die Schwaben unter uns)

    -10f Sicherstellen, dass Schraube klar

    -10g Motor starten und POB ansteuern


    Bevor Ihr diese Manöver zerreist wie ein Leichtwindsegel der Sturm, bitte ich Euch nochmal die Randbedinungen zu betrachten

    - Moderate Wassertemperaturen / Sommer -> Keine unmittelbare Gefahr durch Erfrieren, es darf schon 30 Minuten zur POB dauern

    - Moderate Windbedingungen <= 15 kt -> Das Schiff mit gesetztem Groß, ohne Vorsegel, mit Genni im Wasser bleibt beherrschbar

    Ich danke Euch für die sehr interessanten Beiträge. Es scheint ja zwei wesentlich unterschiedliche Ansätze zu geben:


    Variante 1 - mit übergeordetem Ziel "Möglichst schnell zurück zur POB":

    -1a Ort markieren
    -1b Unmittelbar in den Wind luven

    -1c Motor starten und POB ansteuern

    -1d Notruf

    -1e Leichtwindsegel loskriegen (dazu später)


    Variante 2 - geordnete/gewohnte/trainierte Abläufe

    -2a Ort markieren

    -2b Abfallen, Großsegel fieren

    -2c Notruf

    -2d Leichtwindsegel zügig bergen

    -2e Drehen, mit Motor zurück


    Ich schätze, die zusätzliche Distanz zum POB der Variante 2 gegenüber 1 ist auf alle Fälle > 300m. (Zusätzlicher Zeitbedarf 2b, 2c, 2d mind. 2 Minuten, davon schon 30 Sekunden für 2c, bei 5 kN)

    Damit ist die POB wohl definitiv aus der Sicht.


    Ich tendiere stark zur Variante 1, nicht zuletzt deshalb, weil wir als Familiencrew im großen Belt einen solchen POB mit viel Glück zum glimpflichen Ausgang gebracht haben (wenig Wind max. 2bft, Sichtkontakt nie verloren, maximale Distanz wohl unter 100m). Nur das Achterliek des Gennis war gerissen.


    Kritisch ist für mich in der Variante 1 der Punkt 1e. Hier weiß ich bis jetzt kein "allgemeingültiges", und vor allem auch trainierbares Manöver, wie man mit Wind von vorne den Gennaker loskriegen soll. Siehe auch den Beitrag von Springflut. Tranierbar schon deshalb nicht, weil es mit großer Wahrscheinlich den Genni zerstört. Alles, was nicht trainierbar ist, ist auch kein Notfallmanöver....


    noob: Du scheinst ja Variante 1 mit 1e "Schoten ausrauschen lassen, Leichtwindsegel weht an der Mastspitze aus" sogar zu trainieren? Verstehe ich Dich richtig? Schlagen Dich die Schoten am Segel nicht tot im Cockpit?

    Guten Abend liebe Seglerinnen und Segler,

    angeregt durch diesen Gesprächsfaden und unserem bald beginnenden Vater-Tochter-Ostsee-Törn möchte ich Euch folgende Frage stellen:


    Welche Manöver/Handlungen führt Ihr durch bei

    - einem POB

    - mit gesetztem Großsegel und Gennaker/Spinnaker auf einer typischen Fahrtenyacht 34-40ft,

    - bei schneller Fahrt >=8kn

    - moderaten Windbedingungen bis zu 15 kN, moderater See und Tageslicht (sonst bleibt der Genni sowieso im Sack)

    - moderaten Wassertemperaturen im Sommer


    Mir ist klar, dass v.a. das Überbordgehen zu verhindern ist.


    Das Szenario beschäftigt mich durchaus schon länger. Aus der Erinnerung schreibt die Seemannschaft (hab das Buch grad nicht hier)

    - Halsleine/Achterholer und Schot fliegen lassen

    - Motor an und zurück zum MOB

    Ich stelle mir allerdings ein an der Mastspitze schlagendes Segel etwas unruhig vor.


    Weiterhin: Bei 2er Crews wird bei POB gern empfohlen, als ersters zu alarmieren. Ist das hier auch sinnvoll? Liegt die Priorität nicht darauf, schnellstmöglichst zu reagieren, um in der Nähe zu bleiben (moderate Wassertemperaturen vorausgesetzt)?

    seppwabala : wenn Du das Fall einfach ausrauschen läßt, wird ein Bergung abenteuerlich. Mit wenig Personal einfach die Schot ins Wasser werfen (da keinen 8er rein!), abfallen, Groß auffieren. Das Schiff hatt noch Geschwindigkeit (wichtig), der Genni geht in die Abdeckung und fällt ein. AP an, der Rudergänger fiert das Fall kontolliert (dafür ist es ins cocpit gelenkt) und vorne wird zusammengepackt.

    Maschine bleibt aus, bis die Schoot aus dem Wasser ist.

    Wozu beiliegen? Mit sportlichen Booten nicht so einfach...

    - Beiliegen, um sich nicht weiter vom verlorenen Objekt zu entfernen.

    - Fall ausrauschen lassen, um nicht aufs Vordeck zu müssen.

    Wenn sowieso jemand aufs Vordeck kann, und das Großsegel gesetzt ist, dann brauche ich doch überhaupt nichts ausrauschen lassen, sondern berge meinen Gennacker wie üblich im Windschatten des Großsegels.

    Wir hatten mal einen Gennaker mit Bergeschlauch und das erste was ich aus dieser Konfiguration "entsorgt" habe war dieser "Berge"schlauch.


    Beim Setzen verfing sich gerne der Genni im Schlauch und klemmte, bei wenig Wind bergen ging gut, bei viel Wind reichte oftmals die Kraft (bzw. mein Gewicht) nicht um das Ding runterzuziehen. Ohne Bergeschlauch war es dann besser. Später ohne Gennaker (mit Spi) war es noch besser...😉

    Ich finde am starken "Runterziehen" des Bergeschlauchs problematisch, dass man dadurch sich selbst nach oben hebt und seine Standfestigkeit auf dem Vorschiff reduziert, bis hin zum Risiko, über Bord zu gehen.

    Nach dem Vorfall mit dem gerissenen Stroop habe ich den Gennaker im Hafen (bei Windstille) neu in den Schlauch gefädelt. Ab dann lief der Genni 1a aus dem Schlauch heraus und wieder hinein. Beim Setzen hat sich ab ca. der Hälfe der Schlauch sogar von selbst nach oben geschoben (bei etwas Wind). Beim Bergen (tiefer Raumschotkurs, in der Abschattung des Großsegels) zunächst die Halsleine gelöst - dann fiel der Schlauch quasi von selbst über den Genni. Eine wahre Freude.... Meine Lehre: Der Bergeschlauch muss perfekt laufen, wenn nicht dann alles raus und neu einpacken.

    Das will ich mal die nächsten Male probieren. Hast Du das Groß dabei dicht oder offen gefahren? Wenn nur zur Sicherung wäre vermutlich dicht geholt am Einfachsten?

    Das Groß fahre ich so, dass es optimal angeströmt wird (eigentlich also wie immer :smiling_face: ). Typisch in "Mittelstellung". Zum Setzen/Bergen des Gennakers tiefer Raumschotskurs und Groß ganz offen.

    Nachteil des Großsegels: Tiefe Raumschotskurse mit Genakker nicht fahrbar, je nach Ziel muss man kreuzen.

    Ich möchte die "1. Regel" von Tamako unterstreichen. Ausführlicher hier.


    Noch eine Idee zur Diskussion für ein Schnell-Stopp-Mannöver, um die Distanz zum verlorenen Objekt möglichst gering zu halten, ohne dass Materialschaden zu befürchten ist (funktioniert aber nur mit gesetztem Groß):

    - Gennaker-Fall ausrauschen lassen

    - Unmittelbar Vorsegel ausrollen

    - Beidrehen

    -> Gennaker sollte sich über Halsleine oder die Schot an Bord ziehen lassen.


    Was sind Eure Meinungen dazu?


    Inspieriert werde ich durch folgende Situation:

    - 40ft-Charter-Schiff, 134qm Genni, 12-15kn Wind, AWA ca. 100°, 1,5m Welle

    - Plötzlich ist der Gennaker ins Wasser gefallen - das kurze Stroop am Kopf im Bergeschlauch ist gerissen (wegen Verschließ durch die Bergeschlauchleine, wie sich später herausgestellt hat).

    - Erstmal großer Schreck, was ist jetzt los....

    - Wir sind sofort auf tiefen Raumschotskurs abgefallen, der Genni hat sich sanft in Lee auf das Wasser gelegt

    - Bootsgeschwindigkeit ging stark runter und es war kein großes Problem, den Gennaker wieder an Bord zu ziehen.


    Da wir in der Situation nicht am Ort bleiben wollten, nicht beigedreht, sondern tiefer Raumschotskurs.

    Ich für meinen Teil habe gut verstanden, dass dies kein zeitoptimiertes Notfallmanöver war. Dennoch überraschen mich 2.5 sm Lee-Raumbedarf zum kontrollierten Bergen.

    Ich frage definitiv nicht nach, um zu kritisieren, sondern um die Umstände besser zu verstehen, um sie in den eigenen Erfahrungsschatz einzubauen. Entschuldigt bitte, falls ich mich missverständlich ausdrücke.


    War es eigentlich nicht möglich, durch Abfallen und Zusammenfallenlassen des Gennis hinter dem Groß die Bootsgeschwindigkeit unter 5 kN fallen zu lassen? Zuviel Welle und dadurch zu hohe Gefahr einer Patenthalse? Wie stark war eigentlich der Wind?


    Ergänzend: In welchem Abstand zum Ziel (v.a. einer Lee-Küste) beginnt Ihr mit dem Bergevorgang, z.B. unter diesen Umständen? Da sollte ja nochmal eine deutliche Sicherheitsreserve draufgelegt werden.


    Ich wünsche Euch viel Erfolg bei der Suche nach dem verlorenen Dingi!


    Danke fürs Teilen Eurer Erfahrungen, Norbert

    Eine Ausnahme habe ich mal gemacht bei einer einstündigen Überfahrt vom Ankerstopp zur Erkundung der Insel Knudshoved in den Hafen Karrebæksminde als Tagesziel. Wind war direkt von Süd, also ein Vorwindkurs, Windstärke vielleicht 2bft. Alle Windvorhersagen beständig, Himmel eindeutig soweit man sehen konnte. Letztendlich hab ich auf der kurzen Fahrt das Setzen des Großsegels gespart. Alles gutgegangen... Dennoch hab ich die ganze Zeit nervös Ausschau gehalten, ob sich nicht doch irgendwo eine Bö anschleicht....

    P.S.: War ein 134m² Genni auf einer Hansa400.