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Dienstag, 26. Januar 2016, 10:22

Die Messe BOOT 2016

Die diesjährige Messe BOOT öffnete vom 23.1. bis zum 31.1.2016 ihre Tore. Meine Befürchtung, man werde am ersten Sonntag in mit Menschenmassen vollgestopften Hallen zu Tode gequetscht, erfüllte sich nicht. Die Messe war gut besucht aber nicht gnadenlos überfüllt.

Einiger Trubel herrschte am Minicat Stand von Importeur Carsten Steinkämper. Messebesucher mit Fotohandys und mit DSLR bewaffnetes Minicat Personal umlagerten den Stand an dem das "Zeilmeisje" Laura Dekker, die jüngste Weltumseglerin der Welt, mit ihrem Vater gastierte. Die junge Seglerin verteilte fleißig Autogramme, ließ sich immer wieder geduldig fotografieren und präsentierte den neuen Minicat 420 im nach ihr benannten Design. Minicat bestätigt damit seinen Ruf, die schönsten Segel herzustellen. Technisch scheint sich am MC 420 wenig geändert zu haben. Mir fiel lediglich auf, dass das Bugverdeck neuerdings an D-Ringen auf den Rümpfen aufgehängt wird. Die Schwestermodelle MC 310 und MC 460 waren nicht aufgebaut.

Deutlich ruhiger ging es am Katsolution Stand von Reinhold Ömmer zu. Bei seinem ersten Besuch als Aussteller in der Düsseldorfer Messe hatte der Österreicher abseits der großen Besucherströme einen verdeckten, spärlich erleuchteten Stand in der Mitte der Halle erwischt. Das gab die Gelegenheit zu einem ausführlichen Gespräch. Herr Ömmer sagte, die Nähte der dreilagigen Katsolution Rümpfe seien nicht nur geklebt sondern luftdicht(er) verschweißt. Die jüngste Version des 488 cm lange Schlauchkats erfuhr einige segeltechnische Verbesserungen. Der Fockroller wird nun über eine Endlosleine bedient, deren Ende hinter dem Mast liegt, so wie es sich Einhandsegler wünschen. Der neue Mast wuchs um 1, 70 cm in die Höhe. Der geänderte Mastfuß und neue Wantenbeschläge erleichtern die Drehbewegung des Mastes. Vom Prinzip der "Rutschkupplung" in den Rahmensteckverbindungen verabschiedete sich Katsolution. Die jetzigen starren Steckverbindungen verhindern eine Drehbewegung der Rohre vollständig. Dadurch wird der Torsion der Rümpfe zueinander entgegengewirkt. Wie die Duckys verfügt der Katsolution serienmäßig über ein Doppelkammerschlauchsystem. Die Ausstattung mit zusätzlichen Überdruckventilen war zunächst angedacht. Dabei blieb es dann. Die Begründung möchte ich Euch nicht vorenhalten. Im Salzwasserbetrieb sollen sich über kurz oder lang Salzkristalle in die Ventildichtungen setzen, was zum Druckverlust in der betroffenen Kammer und letztlich weiter zu Problemen mit der Kundschaft führt. Daher verzichtete man lieber ganz auf Überdruckventile. Die am Markt gängigen Ventile scheinen scheinen insoweit noch nicht ausgereift sein. In Sachen Spitzengeschwindigkeit dürfte der neue Katsolution mit längerem Mast sicherlich eine ernste Konkurrenz für den HC Evolution von Grabner sein.

Bemerkenswerte technische Fortschritte gab es auch am neuen Schlauchkat Neo festzustellen, den die Grabner Brüder an ihrem Messesstand vorstellten. Im Gegensatz zum beliebten Happy Cat Evolution soll der neue Kleine die Kunden ansprechen, die ein kompakteres und schnell aufzubauendes Boot für Segeleinsteiger und Jugendliche suchen. Segeltechnisch übernimmt der Neo die Komponenten, die sich bereits am Evolution bewährt haben wie Schwert- und Ruderblatt sowie das hydrodynamische Profildesign der Rümpfe. Erstmalig bei Grabner Happy Cats jedoch erfährt der Mastfuß des Neo von unten eine statisch wichtige Gegenabspannung. Querab sind nun -förmig zwei Drahtseile mit Spannmöglichkeit und Schnellverschlüssen vom Drehpunkt des Schwerts ausgehend zu den Seiten nach oben verspannt. So stützen sie die Masttraverse gegen das unerwünschte Durchbiegen nach unten, was das Rigg insgesamt steifer macht. Die langen Drahtseile, die den Bugspriet abspannen, laufen jetzt auch durch neue Augbolzen unterhalb der Püttinge. Dadurch sollen offenbar die Längsträger gegen den Zug der Wanten stabilisiert werden. Die Grabner Brüder wiesen mich auf die ebenfalls neuartigen Wantenbeschläge am Mast hin, die die Mastdrehung auch bei achterlichen Winden weniger behindern. Zumindest auf der Messe, ohne Druck in den Segeln, funktionierte das einwandfrei, wie ich mich selber überzeugen konnte. Den HC Neo hatte man schräg, mit leichter "Krängung" aufgebaut. Fierte man die Großschot auf, öffnete nicht nur das Großsegel sondern der Mast drehte sich leichtgängig bis zum Anschlag des Groß am "Lee"-Want anstandslos mit. Die neuen breit gehaltenen Wantenbeschläge vor dem Mast stellen allerdings einen Kompromiß dar. Der theoretische optimale Anschlagspunkt mittig vor dem Mast wird bereits von den Fallen beansprucht, die Grabner vor den Mast verlegt hat. Die Verkomplizierung, die Falle stattdessen durch den mehrteiligen Mast zu verlegen, scheute man vermutlich mit Blick auf einen möglichst einfachen Aufbau und die anvisierte Käufergruppe. Die Rundrohre des Neo Rahmens sind übrigens, ähnlich wie oben beim Katsolution beschrieben, durch ein innenliegendes Profil gegen Verdrehung in den Steckverbindungen gesichert. Die letzten drehenden Rahmenverbindungen soll Grabner zuletzt 2004/2005 gebaut haben.

Das Klassikerforum in Halle 14 konnte einen erheblichen Besucherzuwachs verzeichnen, da es dieses Mal an einem Hauptdurchgangsweg lag. Interessierte konnten der Restaurierung eines alten Schärenkreuzers beiwohnen und einem Bildhauer beim Schnitzen von Gallionsfiguren zuschauen. Ihr mögt Euch vertrauensvoll an ihn wenden. (Siehe Foto.) Gerne berät er Euch bei der Befestigung derselben am Bug Eurer auch modernen Segelgerätschaft. Vor dem Klassikerstand hatte Gerold Schnebbe von der Minisail e.V. seine Reeperbahn aufgebaut und seine historischen, teilweise auch fernsteuerbaren Segelschiffe ausgestellt.

Emmanuel Bertrand von der Tiwal Vertretung erzählte mir, dass mit den kleinen aufblasbaren Segeljollen in Frankreich bereits regelmäßig Regatten gesegelt würden. Für Deutschland strebt Tiwal ähnlich regelmäßige Regattatermine an. Zur Zeit mangele es bei uns noch an ähnlich großen Verkaufszahlen. Ich machte Herrn Bertrand auf dieses Forum und unsere Treffen aufmerksam, was er mit Interesse aufnahm.

Bei den Schlauchbooten aus allen Bereichen konnte ich einen allgemeinen Trend zu höheren Drücken feststellen.

Produkte des letzten in Deutschland produzierenden Faltbootherstellers Pouch bekam ich nicht zu Gesicht. Nach Insolvenzgerüchten beklagt der Hersteller aktuell bei faltboot.org Zahlungsausfälle eines Großkunden, will aber dennoch mit Zuversicht in die Zukunft schauen. Der einzige deutsche Faltboot-Kokurrent Klepper läßt seine Produkte schon länger in Polen produzieren. Klepper zeigte auf der Messe u.a. ein zweisitiges Faltboot mit S2 Besegelung und das in der Szene mit Skepsis aufgenommene, multifunktionale Konzeptboot Backyack.

Der unter Faltbootenthusiasten bekannte Restaurator Markus Heise stellte seine frisch restaurierte Faltsegeljolle Klepper Passat aus. Mit 430 cm L.ü.a. war die Passat die größte jemals gebaute Faltsegeljolle. Dass beeindruckende Faltboot ist nicht gerade leicht geraten und der Aufbau vergleichsweise aufwändig und anspruchsvoll, was einer größeren Verbreitung vor einem halben Jahrhundert im Wege gestanden haben mag.

Erstmals gab es auf der diesjährigen Messer ein nicht aufblasbares, gerüstloses "Nur-Haut-Faltboot" zu sehen. Zum Auf- und Abbau wird die Kunststoffhaut des Orukayak an vorgegebenen Knickstellen ge- bzw. entfaltet. 20.000 Mal soll ein Boot die Prozedur bereits überstanden haben. Danach habe man nicht länger Lust verspürt, den Test weiter fortzuzsetzen , wie die Verkäuferin augenzwinkernd meinte.

Am Stand von X-Cat erlebte ich eine Vorführung, bei der die Ruderriemen am Kat als Alternativantrieb angebracht wurden. So kann man den Segelkatamaran bei Wind segeln und bei Flaute rudern. Mir persönlich gefällt im Vergleich das Konzept der amerikanischen Hobie Trimarane besser. Die beiden Hobie Typen, die Trimarane Adventure Island und Tandem Island scheinen mir ideal für das motorlose Wasserwandern auf vernetzten Gewässern zu sein, wie man sie in MeckPomm und Brandenburg vorfindet. Mit der ausgereift wirkenden Konstruktion kann der Skipper notfalls auch paddeln, bevorzugt wird jedoch normalerweise der enorm leistungsfähige Tretantrieb mit den sich kreuzenden Flossen. Nicht zuletzt kann man den 505 cm lange Trimaran Island mit seinen gut 6 qm ausgezeichnet segeln. (Auf dem Foto unten wurde das Vorgänger Modell abgelichtet.) Wie bei keinem anderen Segelboot läßt sich das Segel blitzschnell bergen und der unverstagte Mast in kürzester Zeit und sicher mitten auf dem Wasser legen und verstauen. Die beiden Schwimmer können auf engen Gewässern und in Häfen zum Boot hin eingezogen werden.! Den sehr sportlich orientierten Seglern bietet Hobie einen Pinnenausleger als Zubehör an, um im Extremfall auch das Ausreiten des Tris zu ermöglichen. Der Verkäufer erzählte mir, er sei mit dem Boot gerne auf auch dem Rhein unterwegs

Wie in den Vorjahren war wieder ein aktueller A-Cat ausgestellt. Mir bereitet es immer großen Spaß, Segelboote zu bewundern, die bis ins letzte Details kompromißlos auf Geschwindigkeit gebaut wurden. Diesmal erfuhr ich, dass die halbfliegenden Speedmaschinen glatte, luftdichte Folientrampoline haben, weil solche Trampoline dem Boot einen höheren luftströmumgstechnischen Auftrieb verleihen würden. Die früher üblichen Netzstrukturen des Trampolins hätten aerodynamisch gebremst . . . oha !

Der deutsche Elektroaußenbordhersteller Torqeedo zog es auch dieses Jahr vor, seine Solarmodule nicht auszustellen. Ich vermute, es gab insoweit immer noch keinen entscheidenden technischen Durchbruch zur Unterstützung des Akkus.
Am Suzuki Messestand teilte man mir mit, dass Suzuki für die kleinen Benzinaußenborder mit winzigem Einbautank kein Originalzubehör anbietet, das das Nachfüllen von Benzin auf See erleichtern würde.

Zum Schluß: An einem Stand wurde weiter das beliebte Märchen von der deutschen Führerscheinfreiheit bis 12 qm Segelfläche verbreitet. Eine solche allgemeine Regel gibt es nicht. Vielmehr darf der Freizeitkapitän in Deutschland grundsätzlich ohne Führerschein segeln. Allerdings verbergen sich im unübersichtlichen Gesetzesdickicht zahllose Ausnahmen und Rückausnahmen. Eine einfache, für jeden einsehbare Gewässerliste mit den jeweiligen Regeln für Segler ist mir leider unbekannt. Für den Motorbetrieb gelten ohnehin wieder andere Regeln. Vor dem Befahren eines bis dato unbekannten Gewässers muß sich jeder Wassersportler vorher über die örtlich geltenden Befahrungsregeln informieren. Die sind oft schwer zu finden. Die zuverlässigsten Auskünfte erhaltet Ihr im Zweifelsfall bei der örtlich zuständigen Wasserschutzpolizei.

Ralph
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