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Donnerstag, 26. Januar 2017, 19:12

Die Messe BOOT 2017

In der letzten Januarwoche findet wie jedes Jahr die Messe BOOT in Düsseldorf statt. Vor dem Betreten des glitzernden Wassersportparadieses muss der Besucher Kartenhäuschen und Schranke durchschleusen. 23 Euro kostet mittlerweile die normale Tageskarte, welche für den Öffnungszeitraum zwischen 10 und 18 Uhr gilt. Zu Beginn meines Messeberichtes möchte ich Euch kurz einige allgemeine, subjektiv wahrgenommene Trends und Fakten voranstellen, die nicht unbedingt objektiv richtig sein müssen:

Positiv fiel mir auf:

- Es geht zunehmend internationaler zu. Abgesehen vom unvermeidlichen Englischen und „Denglischen“ hört man viele Messeteilnehmer holländisch, französisch und selbst russisch und finnisch sprechen.

- Das Angebot erschwinglicher Segelboote für normale Portemonnaies scheint sich zu vergrößern.

- Die Messeleitung konzentriert die Aussteller zerlegbarer Segelboote, Kats und Jollen auf ein bis zwei Hallen.

- Schöne Holzboote und Gaffelsegler bleiben im Angebot und finden weiter ihre Liebhaber.

- Ein großer Messestand mit einem aufblasbaren Walmodell sensibilisiert das Publikum für das ernste Thema Plastikvermüllung der Meere.

Negativ fiel mir auf:

- Spektakuläre Messeangebote und Mitnahmepreise scheinen auf dem Rückzug zu sein.

- Bootsmotoren bis 15 PS werden massiv mit der neueren Führerscheinfreiheitsgrenze beworben.

- Vermißt habe ich Messestände der Firmen Pouch und Katsolution.

- Die Bundeswehr rekrutiert mit Soldaten im Kampfanzug auf der Messe Nachwuchs.

Im folgenden lade ich Euch ein, mich bei meinem Messerundgang zu begleiten. Bitte seht mir dabei mein weitgehendes Desinteresse an Motorbooten und Megayachten nach.

Der deutsche Minicat Importeur Carsten Steinkämper stellt den MC 420 in der schicken Laura Dekker Edition aus. Außer dem attraktiven Design sind an dem Strandschlauchkatamaran wertvolle Karbonteile wie Bugspriet, Baum und Ruderblatt zu bewundern. Das an D-Ringen aufgesetzte Bugverdeck dient beim MC als Spritzschutz und zur Aufnahme leichten Gepäcks. Betreten kann man es leider nicht. Herr Steinkämper sagt, dass der MC 420 auch nach dem Erscheinen des MC 460 noch immer der gefragteste Minicat sei.

Gegenüber der Minicat Vertretung steht Samira Kassel an einem neu eingeführten, eigenen kleinen Grabner HC Neo Stand. Der Grabner Hauptmessestand befindet sich nach wie vor in der Kanuhalle. Am HC Neo hat sich technisch nichts verändert. Frau Kassel erzählt, sie freue sich schon darauf, im Sommer zusammen mit Ihrem Vater den neuen HC Hurricane zu testen. Sie begrüßt nicht zuletzt das größere Platzangebot für längere Törns. Gerne stellt sie sich für das Foto unten zur Verfügung. Seit den viel geschauten Videos Ihres Vaters sei es mit Ihrer Anonymität im Netz ja ohnehin nicht mehr weit her . . .

Am Grabner Hauptmessestand in der Kanuhalle stehen der HC Evolution und das neue Spitzenmodell, der HC Hurricane, friedlich nebeneinander. Gregor Grabner klingt euphorisch. Bei den Testfahrten habe das Geschwindigkeitspotential des neu entwickelten Spitzenmodells die eigenen Erwartungen übertroffen. Mehr Grabner Kunden als von ihnen erwartet würden ohne zu zögern zum teuersten, größten, schnellsten und modernsten Kat im Grabner Sortiment greifen. Ich schaue mich um. Im Vergleich unterscheidet sich der neue HC Hurricane schon auf den ersten Blick deutlich vom neben ihm platzierten HC Evolution.
Die Details des Hurricane im Vergleich zum Evo:

- längere (465 zu 499 cm) und voluminösere Rümpfe (max. 47 cm zu nun max. 54 cm)
- drittes Trampolin und eine neue Hecktraverse mit Motorspiegel (letzteres Zubehör)
- verbesserte Drehfähigkeit des Mastes mit neuem Mastfuß, geänderten Wantenbeschlägen und Mastrotationsbegrenzer
- verbesserte Statik durch die neuen Stabilisatoren zur Bugtraverse und diverse Draht-Abspannungen unter Deck
- Talje am Ende des Fockfalls zum leichteren Spannen des Gesamtsystems
- eine völlig neue Ruderanlage, bei der das Blatt direkt über die Pinne hochgeholt wird
- dreifach geschorene Großschottalje
- neues Zubehör wie verlängerter Bugspriet mit angeschweißter Gennakertrompete, aerodynamischer Kenterball und Wantenverklicker

Die Segel von Hurricane und Evo sind zwar identisch. Durch den längeren Mastfuß und die größeren Schlauchdurchmesser baut der Hurricane aber insgesamt um vielleicht 12 cm höher und die Segel können den (stärkeren) Wind weiter oben abgreifen. Der Hurricane dürfte sich nach meiner Einschätzung in der Gesamtkonzeption besser zum Trapezsegeln eignen als der Evo. Dank der Bugsprietverlängerung (Zubehör) am Hurricane kommt es zu einer weit geringeren Überlappung von Fock und Gennaker. In der Folge kann die Fock nun in der Abdeckung des Gennakers stehen bleiben, ohne dass sich Fock und Gennaker wegen des Bernoulli Effektes gegenseitig behindern. Unter allen drei Segeln stehen in der Summe immerhin 22, 5 qm Segelfläche. Wie hoch der Hurricane unter Vollzeug am Wind segeln kann, habe man noch nicht ausprobiert, sagt Ewald Grabner. Der Mast des Hurricanes wurde vom Evo übernommen. In Bezug auf das Rigg insgesamt bleibt, jedenfalls für meinen Geschmack, Fantasie für weitere Modernisierungen. Der Listenpreis der Hurricane Basisversion liegt bei 8.100 Euro. Grabner gewährt 7 Jahre Garantie auf die Rümpfe.
Die Vor- und Nachteile des Kenterballs haben wir am Grabnermessestand ergebnisoffen diskutiert und mit anderen Systemen verglichen. Eine Patentlösung für alle Segler und alle Kentersituationen fanden wir nicht.

Gegenüber vom Grabner Hauptstand stellt erstmalig ein finnischer Schlauchkathersteller aus. Der 430 x 220 cm große Vesikissa Meri mit einer Segelfläche von 9, 3 qm konkurriert zu den MC 420, HC Neo und dem kurzen Standard Smartkat. Am Stand werden mir Listenpreise um die 4.000 Euro genannt. Er wird wahlweise mit klappbarem Mittelschwert oder festen Kufen unter den Rümpfen angeboten. Die hydrodynamischen Doppelkammer-Rümpfe haben ihr größtes Volumen im achterlichen Bereich, also da wo üblicherweise die Mannschaft sitzt. (Bei Kajaks spricht man bei entsprechend geformten Rümpfen vom sog. Schwedendesign.) Die mit 0,25 Bar aufzublasenden Rümpfe werden durch längs durchgehende Brückengerüstkonstruktionen stabilisiert. Die Büge mit negativen Vorsteven fallen durch ihren ungewöhnlich scharfen Schnitt auf. Das zweifach unterteilte, überall begehbare Trampolin erstreckt sich über fast das gesamte Boot. Die Ecken der Bugtraverse sind nochmals zum Masttopp abgespannt, vermutlich um der Torsion der Rümpfe zueinander entgegenzuwirken. Das Schothorn des mit drei durchgehende Latten versehenen Großsegels wird durch einen einarmigen Gabelbaum zum Mast hin abgestützt. Das entspricht takelungstechnisch dem aktuellen Standard der A-Cats! Auf der anderen Seite dreht der Mast nicht, die zahllosen Rohrenden sind nicht mit Blindkappen verschlossen, die Pinne ist seitlich am Ruderschaft angeschraubt und die Enden der Bugtraverse schweben kontaktlos über den Bügen. Ich will den Hersteller nicht kritisieren, aber Forumist „flyvita“ bezeichnete diese Optik im Forum als „rustikal“. Einige kleine optische Retuschen wären sicherlich hilfreich, den Vermarktungserfolg des im Ansatz nicht schlechten Bootes zu steigern. Am Ende meines Besuchs sprach ich mit dem Aussteller darüber, dass sich die russische Firma Triton aus St. Petersburg aus dem Schlauchkatamarangeschäft zurück zog. Kennt jemand die Ursachen?

Hübsch anzuschauen sind in der Kanuhalle immer die aufwändig angelegten, natürlich wirkenden Flusslandschaften für die Kanuten zum Probepaddeln. Weniger gefallen mir dagegen die einzelnen, zerstreut in mehreren Hallen aufgestellten Wasserbecken, die teilweise sogar mit Windmaschinen zum segeln ausgerüstet sind. Vielleicht sollte man besser alle Einzelbecken zugunsten eines einzigen großen Beckens zusammenfassen. Die in den Medien spektakulär dargestellte große Welle für Surfer habe ich mir nicht angeschaut.

Nach längerer Abstinenz steht erstmalig wieder ein Variocat auf der BOOT. Konstrukteur Rasweiler trat sein Lebenswerk an die Brüder Sievers aus Ellerbeck ab, die bislang mit dem Verkauf der bekannten Banana Boote im Wassersportgeschäft vertreten sind. Herr Sievers wies darauf hin, dass der Variocat Käufer auf alle Metallteile 10 Jahre Garantie bekäme. Große Neuerungen fielen mir nicht auf. Die Variocat-Schlauchversion wird jetzt mit grauen Schlauchrümpfen und stumpfen Bugspitzen ausgeliefert. Herr Rasweiler versichert, dass die Ersatzteilversorgung für alte Modelle gesichert sei und er seine Nachfolger weiterhin tatkräftig unterstützen wolle. -

Der Messestand des Classic-Forums zeigte u.a. verschiedene, teilweise auch ferngesteuerte Segelmodelle aus Holz, historische Gaffelsegler, die Helling von Aussteller Gerold Schnebbe, teilrestaurierte Schärenkreuzer und eine kleine Eissegeljacht. Für den letzten Samstag hat das Classic-Forum eine Versteigerung angesetzt. Zur Auktion steht u.a. ein besegelter Faltbootveteran, ein Klepper Master mit einem Startpreis von 100 Euro.

Faltbootrestaurator Markus Heise hatte sich dieses Jahr in der Messeabteilung „Bootswerften aus NRW“ eingerichtet. Im Vordergrund präsentiert er ebenfalls einen Klepper Master mit neuer Haut und überholter Takelage und Leinensegel. Konkret handelt es sich sogar um einen sog. Supermaster, der insgesamt größer als der Standard Master ist, eine Segelfläche von 9 qm hat und mit einem Senkschwert ausgestattet ist.

An einem kleinen Stand werden die eigenwilligen Proas beworben. Der Aussteller berichtet mir, man würde mit den eigenartigen Multis sogar Regatten aussegeln.

Abschließend möchte ich noch die Vorstellung eines Surfbretts mit aufblasbarem Hochdruck- Rigg erwähnen, siehe Foto. Schaut so die Segelzukunft aus?

Ralph

P.S. 1 Wer an weiteren Infos und Bildern zu den beiden neuen Schlauchkats interessiert ist, kann sich gerne öffentlich im Forum oder persönlich per PN an mich wenden.
P.S. 2 Alle Angaben ohne Gewähr. Gerne stelle ich Fehler auf Euren Hinweis richtig.
»KlabauterR« hat folgende Bilder angehängt:
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Tags: Boot, Grabner Hurricane, Messe, Vesikissa Meri

Kategorien: Messeberichte


Kommentare (3)

  • 3

    Von KlabauterR (Mittwoch, 1. März 2017, 12:38)

    Gut, dass Du es ergänzend erwähnst. Ich habe davon nichts mitbekommen. Das war auf der Messe unter Ausstellern und Besuchern auch kein Gesprächsthema.-
    Ich finde es traurig, dass Sicherheitsmaßnahmen überhaupt erforderlich sind.

  • 2

    Von olddream (Dienstag, 28. Februar 2017, 13:52)

    Die Messe BOOT 2017
    In der letzten Januarwoche fand wie jedes Jahr die Messe BOOT in Düsseldorf statt. Vor dem Betreten des glitzernden Wassersportparadieses muss der Besucher Kartenhäuschen und Schranke durchschleusen.

    Neu war 2017 die Gepäck-Kontrolle vor der Schranke bei Besuchern. Hochsporadisch nur wurden Besucher aufgefordert, Taschen zu öffnen. Mitten unter den vielen warteten Besuchern.

    Daneben brachten Aussteller Taschen, Handwagen bis zum Leiterwagen ihr Gepäck unkontroliert durch die Schranke. SICHERHEIT GEHT ANDERS.

  • 1

    Von daysailer2go (Freitag, 27. Januar 2017, 21:05)

    1000 Dank für den schönen Bericht.

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